mein beruf ist nicht meine berufung

tja, schön dumm, wenn frau das irgendwann feststellt.

ganz ehrlich: ich werde darin wohl nicht alt werden.
wobei es ja einer der wenigen berufe ist, in denen frau mit steigendem alter an ansehen gewinnt.
(mehr geld gibts dafür natürlich trotzdem nicht.)

mein problem ist wohl hauptsächlich, dass ich selber noch zu tief drinne stecke.

mir blutet das herz, wenn ich beim hausbesuch erlebe, wie ein kind seelenruhig komplett fertig angezogen wird, während es sich dabei die seele aus dem leib schreit.
wenn eltern ihre zwei wochen alte tochter „zicke“ nennen, die gerne mal rumbockt.
wenn ein vater in 8 wochen noch kein einziges mal sein kind gewickelt hat.
wenn die bauchschmerzen mit medikamenten behandelt werden, denn das kind bleibt nicht ruhig liegen, schläft mit 4 wochen immer noch nicht alleine ein und das können ja dann nur bauchschmerzen sein.
wenn schon in der schwangerschaft immer wieder der satz fällt: „ich will mich ja nicht zur sklavin meines kindes machen lassen.“
wenn die frau den kompletten haushalt schmeißt und der mann währenddessen anmerkt, dass sie sich ja ruhig mal mehr bewegen könnte, sie hätte ja immer noch nicht ihre alte figur zurück.
wenn ich um 23.00uhr eine sms bekomme:“ er schläft nicht, liegt nur da und guckt. was können wir tun?“
wenn ich so oft das gleiche in ungläubige gesichter erzähle, dass ich schon nicht mehr weiß, bei wem ich es nun gesagt habe.

es fällt mir manchmal wirklich schwer, das auszuhalten.
und manchmal fällt es mir dann schwer, gut zu betreuen.
genau darin liegt jedoch meine aufgabe.

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13 Gedanken zu “mein beruf ist nicht meine berufung

  1. bauchundnase schreibt:

    Ich überlege schon mindestens eine halbe Stunde, was ich dir darauf schreiben könnte. …
    Ich hatte nach meinen Geburten und jetzt eine (unfreiwillige) Pause. Vielleicht hat das gut getan, ich weiß es nicht.
    Und ich habe mit zunehmendem Alter 😉 eine gewisse Professionalität, die mich die ganze Sache mit mehr Abstand betrachten lässt. Früher war das nicht so, da hab ich alles mit Herzblut gemacht.
    Der Stand heute: Ich betreue nicht jede Frau gleich, das merke ich immer wieder mit Erstaunen.
    Die einen lasse ich machen, lasse sie und ihr Verhalten nicht an mich ran, mache das Beste aus der gegeben Situation, gebe Hinweise, rüge auch mal für Fehlverhalten, weise auf Alternativen hin, ohne dran zu glauben, dass diese probiert werden … halte Abstand. Vor allem emotional.
    Und es gibt Frauen, da lege ich mich mehr ins Zeug, Frauen, die bereit sind zuzuhören, auszuprobieren, auszuhalten, … eben mehr wie ich sind. Die profitieren von meiner Erfahrung mit meinen Kindern, hören, dass sie gelassen bleiben können, dass sie auf ihr Bauchgefühl (welches sie auch haben) hören dürfen, … wo ich auch emotional mehr bei der Sache bin.
    Diese Zweiteilung – das musste ich lernen, um eben nicht dauergefrustet zu sein. Und es hilft ungemein, um in dem Beruf zu überleben.
    Ich mache den Job gern … wieder. Vor 5 Jahren hätte ich mir das noch nicht vorstellen können.
    Ich kann mir schon vorstellen, dass du einfach noch zu nah dran bist am Thema.
    Halt die Ohren steif! Du kannst nicht alle Welt retten. Konzentriere dich auf die Frauen, die dich ernst nehmen!

  2. chilota schreibt:

    Ich kann das gut verstehen, obwohl ich nicht denselben Beruf habe. Aber schon im Rückbildungskurs dachte ich: Das könnte ich nicht. Das ist ja so krass, bei sowas zuzusehen. Wie eben andere Mütter mit ihren Babys umgehen. Ich habe den allergrößten Respekt vor Hebammen, und ich bin so dankbar, dass ich eine tolle hatte. Eine gute Hebamme kann wirklich Leben verändern. Die Welt verändern. Aber, wie gesagt, ich persönlich könnt es nicht, glaub ich.

  3. Unsichtbar schreibt:

    Blöd das, nützt es was wenn ich dir erzähle, das du vielleicht trotzdem einen unterschied machst? Für die Kinder, weil ein bisschen was bleibt immer hängen.

  4. bauchundnase schreibt:

    … ah ja … die Kinder behandle ich natürlich alle gleich. Die können ja so gar nichts dafür. Und in dem Moment, wo jemand sein Kind „Zicke“ nennt, springe ich ganz sicher in die Bresche. Nein, die Kinder bekommen bei mir alle die gleiche ungeteilte Aufmerksamkeit. Denn die gilt es zu schützen. Und eben die betreue ich gut.
    Leider muss ich immer wieder einsehen, dass ich nicht alle mit nach Hause nehmen kann, auch wenn ich manchmal denke, dass es für das ein oder andere Kind deutlich besser wäre in meinem Chaoshaushalt aufzuwachsen, als in dem von unberechenbaren und verantwortungslosen Eltern. (Ich hab da grad wieder so einen Fall und mag gar nicht dran denken …!)

  5. aufZehenspitzen schreibt:

    ja, wirklich, blöd ist sowas. aber ich finde es sooo verständlich, dass dein „herz blutet“, wenn du solche situationen erlebst. das ist jetzt vielleicht ein blöder vergleich, aber seit ich mutter bin, geht mir jede nachrichtenmeldung, bei der ein kind betroffen ist, sehr sehr nahe. oder noch schlimmer: ich kann mich auch in filme plötzlich unglaublich reinsteigern, wenn ein kind entführt wird oder so (gott sei dank habe ich keinen fernseher mehr, das würde ich momentan emotional nicht ertragen 🙂 ). vergeht das später?? und von wegen nicht gut betreuen: ich habe immer den verdacht, dass die, die an sich selbst so hohe ansprüche stellen, oft gar nicht wissen, dass ihr „unterstes level“ noch immer wahnsinnig gut ist 🙂 aber verständlich natürlich, dass einen das eher unrund macht… alles gute beim gedanken-sortieren!

  6. Linda schreibt:

    Oh je. Das ist ja wirklich ein Dilemma. Ich kann dein blutendes Herz nachvollziehen. Wahrscheinlich kann dass jede Mutter die keine Zicke zu Hause hat 😉
    Finanziell ist es wahrscheinlich keine Option Dir die Leute auszusuchen,oder? Oder Dich einfach ein bisschen auf andere Bezirke zu konzentrieren? Klar pauschal und klar irgendwie nicht PC,aber in den Gegenden in denen Du beruflich so unterwegs bist begegnet Dir so etwas ja vielleicht tendenziell etwas eher mal als in anderen Bezirken!?
    Und außerdem: Was spricht denn dagegen den Leuten gnadenlos und immer deine Meinung zu solchen wenig netten Dingen zu sagen? Deine Zeit mit diesen Menschen ist doch eh begrenzt. Und vielleicht bleibt beim einen doch was hängen und das Kind profitiert. Und bei wem Du es Dir damit versaust-c’est la vie…

  7. kraehenmutter schreibt:

    ich danke euch allen wirklich sehr für eure aufmunternden worte!

    @bauchundnase
    ich denke eigentlich auch, dass ich mich da abgrenzen kann und vom ersten kontakt an weiß, ob das eine familie sein wird, wo ich mich richtig reinhänge oder eine, die ich eher nach schema betreue und die eh alles grundsätzlich anders macht, als ich es jemals tun würde. (das hört sich jetzt echt mies an, ich weiß..)
    aber ich nehme es dann doch mit und nehme es mir auch so zu herzen, dass ich fast ein bisschen sauer auf die eltern werde.
    das finde ich einfach unprofessionell und anstrengend.
    gerade dieses ständige wiederholen und immer wieder vorbeten von nähe, bedürfnisse, verwöhnen usw – und dann wissen, die finden das einfach völlig bescheuert was ich erzähle. das zehrt an meinen kräften, da ich es trotzdem sagen MUSS, weil es für mich so wichtig ist.
    wenn die zicke oder wahlweise auch der bockige sohn dann die ganze nacht tyrannisiert hat, auch heute nur am stänkern ist – und das bei jedem hausbesuch, da halte ich nicht jedes mal nen vortrag, sondern bin einfach irgendwann still. die eltern sind vermutlich genau so aufgewachsen, geben es nun genau so weiter – ich fühle mich dann oft ohnmächtig, dieses schicksal zu durchbrechen.
    vielleicht brauche ich auch einfach mal wieder richtig urlaub, länger mit handy aus und ohne mails, damit das ganze wieder mehr spaß macht.

    @chilota
    ganz ehrlich: ich kann es ab und zu auch nicht.
    gerade, wenn kulturell manche dinge anders gehandhabt werden, zb kinder einfach anders beruhigt werden sieht das für meine deutschen augen schon manchmal echt krass aus.
    aber schön, dass du mit deiner hebamme so zufrieden warst!

    @unsichtbar
    ja, bei einigen bleibt was hängen und bei den anderen versuche ich beim wickeln einfach super lieb zu sein und wünsche dem kind in gedanken alles gute dieser welt und „segne“ es ganz kurz (jaja, die eso-hebammen ;D ).
    hilft dem würmchen vermutlich nicht wirklich, bewahrt mich aber davor, das bündel an mich zu reißen, zu knutschen und mit ihm in die nächstgelegene straßenbahn zu flüchten.

    @auf zehenspitzen
    ich finde es auch schlimm, wie butterweich und durchlässig ich als mutter geworden bin.
    schlechte nachrichten über kinder kann ich mir schon gar nicht mehr angucken, bei büchern weine ich noch schneller als sonst, sei es aus rührung oder trauer. als der igel 6 monate alt war, habe ich ein buch gelesen, in dem ein säugling verstorben ist, es waren nur wenige seiten, aber ich habe rotz&wasser geheult und war noch tagelang so berührt und dankbar, weil mein zuckersüßes kind lebt, dass mir schon beim anschauen direkt wieder das wasser in den augen stand.
    ich hoffe, dieses unglaublich weiche wird irgendwann besser, sonst weiß ich nicht, wie ich die nächsten 60 jahre überstehen soll.
    und nein, mein unterstes level ist nicht gut, dann bin ich einfach nur da.

    @linda
    nein, tatsächlich kann ich sie mir nicht aussuchen, zumal es auch nicht unbedingt am bezirk liegt.
    da ist die 20jährige mutter in marzahn manchmal viel einfühlsamer, stillt mit hingabe, trägt, hört mir zu, macht sich gedanken.
    die 40jährige professorengattin hingegen nach primärer sectio ist genervt von allem, versteht nicht, warum das kind nicht still sein will, einfach mal ruhig da liegt. wenn ich dann erzähle, dass alkohol in der stillzeit in die muttermilch übergeht, gibts nur ein lachen und „na dann hast du halt schon beschwipste milch getrunken, egal, hat dir ja nicht geschadet.“
    da kann ich dann nicht mehr lächeln, mir fehlen die worte und ich wünsche mich einfach weit weg.
    solange es nicht wirklich kindeswohlgefährdung ist, finde ich es auch schwer, ständig meine meinung drauf zu drücken. ich möchte sie ja in IHREM leben mit IHREM kind unterstützen und das hat meist halt so gar nichts mit meinem und meinem weltbild zu tun. (zumal AP, CC etc pp ja schon auch etwas spezieller sind..)
    ich versuche anstöße zu geben, aber irgendwann lasse ich es sein, erhebe die für mich wichtigen daten, höre mir noch die neuesten medikamente gegen das bauchweh an und geh dann.

  8. Linda schreibt:

    Traurig. Blöd. Schade.
    Ich hoffe Du findest deinen Weg um in „dem einzigen Beruf den Du Dir bis an dein Lebensende vorstellen kannst“(so in etwa?!) so glücklich zu werden wie es nötig ist um ihn gut zu machen und Dich zu befriedigen.
    Wünsche ich Dir ganz dolle!

  9. chilota schreibt:

    Oh ja, die Weichheit. Ich frage mich auch, ob das mal nachlässt (und ob ich mir das ernsthaft wünschen sollte). Ob das die Stillhormone sind – oder ob man, wenn man sich einmal so geöffnet hat, nie wieder zurück kann. Fühl mich manchmal, als hätte ich die rote Pille bei Matrix gewählt. Ich würd´s aber immer wieder machen :).
    Eigentlich kann man so nicht leben in dieser Welt. Ich bin erst letzte Woche auf dem Flohmarkt vor einer Mutter geflüchtet, die in aller Ruhe (die Oma war auch dabei!) Klamotten gesucht hat, während das Baby in der Trage nach vorne schauend bitterlich weinte – und auch ein Wort fiel, das mit zickig übersetzt werden könnte.
    Und dann könnte man sich noch eine Welt vorstellen, wo alle so weich wären. Bei mir betrifft das so krass vor allem mich. Aber auch der Papa hat seine Dosis abgekriegt und zeigte in obiger Situation gewisse Stresszeichen 😉 . Das wäre wohl die „Revolution der Liebe“ – das ist ein Zitat von einer chilenischen Mutter und Kinderpsychologin, die sich hier wie eine Löwin für AP einsetzt.

  10. Nicola schreibt:

    Ach, Krähenmutter, das ist wirklich ein Paket, dass Du da trägst… darf ich trotzdem sagen: Solche Menschen wie Dich, genau Dich, braucht es. Menschen, die diejenigen, die AP etc. machen wollen bestärken. Das ist ja auch der angenehme Teil. Aber vielleicht ist es ja sogar doch gut, dass das eine oder andere Baby von Dir liebevolle Hände erfährt, dass Du in der einen oder anderen Familie doch eine Info mitgibst, die ihnen hilft, mit ihren Möglichkeiten (und Zielen) ein etwas säuglings-gerechteren Umgang zu finden. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Kraft Worte haben, auch sanfte, vorsichtige Worte. Auch wenn man es nicht gleich merkt. Aber ja, ich kenne das natürlich auch, diese Weichheit, die so weh tun kann und auch ich flüchte immer mal wieder, weil ich das Schreien eines ignorierten Babys nicht ertragen kann… und doch…du sitzt doch genau an der „Quelle“, wenn Du die eine oder andere Familie nicht erreichen kannst, wer dann?

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