dauerwelle

ich bin ja gerne mal bisschen politisch unkorrekt, wie sehr, wurde mir nun von herrn schinken aufgezeigt.
und das kam so:

wir diskutierten über die kita, schulwahl usw..(ja, tatsächlich stehen wir in meiner wunsch-(und seiner hass-)schule auf der liste.)
er möchte nicht, dass sein kind in jene schule ginge, u.a. wegen der rassistischen und faschistischen lieder, welche so auch jetzt bereits in der kita gesungen würden.
das würde er demnächst auch mal bei den erziehern ansprechen, damit die da mal drüber nachdenken.
nuuuuun *trommelwirbel* wächst sicherlich die spannung, was für ne asoziale nazi-kita wir uns da ausgesucht haben, oder?
hier daher die beanstandeten lieder:

1. „schneemann, schneemann, lieber mann…“ weil: es heißt schneeMENSCH. (er hat tatsächlich bei einem elternabend gefordert, das umzudichten.)
2. „jeder mensch hat beine…“ weil: das stimmt nicht.
3. „grün, grün, grün sind alle meine kleider…“ weil: das direkt irgendwie impliziert, dass alle diese berufe ergreifen müssten und arbeit so wichtig sei…oder so. so richtig hab ich das nicht verstanden.

außerdem möchte herr schinken nicht, dass sein kind in der kita „polizei“ spielt.
und zu pistolen solle doch bitte wasserschießer gesagt werden.
demnächst, wenn die probleme mit dem schwerst verhaltensauffälligen kind geklärt sind, möchte er das ansprechen.

und mein kopf singt:

13 Gedanken zu “dauerwelle

  1. Unsichtbar schreibt:

    ist ja schön dass er das wenigstens selber durchsetzten will. ich finde es prinzipiell total gut, kinderlieder zu hinterfragen. und ich glaube es macht total viel sinn da das positive gespräch zu suchen. ich hab mir im pekip mal echte feinde gemacht weil ich vorgeschlagen habe, doch zunächst mal die geschlechtsneutralen lieder zu singen. in soweit stell ich mir die elternabende echt lustig vor. ich warte gespannt auf die weitere entwicklung und ich dachte ihr seid in der super ökoalternativ krippe. aber da gibts pistolen???? die waren ja sogar in meinem streng katholischen kiga verboten, wir hatten so große spritzen aus der apotheke….

    • kraehenmutter schreibt:

      die pistolen bestehen aus stöckern oder fingern und die großen jungs sagen da halt pistole dazu.
      es gehen halt ganz normale kinder aus ganz normalen familien hin.

      und findest du die lieder tatsächlich auch anstößig?
      ich bin fast nach hinten umgefallen, als er damit ankam..
      ich bin da echt schmerzfrei und behaupte, dass mein täglicher umgang schon langfristig dazu beitragen wird, dass mein sohn kein mädchen „nudeldicke dirn“ nennen oder häschen erschießen wird. (wobei ich das häschenlied auch nicht singe, aber das gibts auf seiner lieblings-cd.)

      • Unsichtbar schreibt:

        nein ich finde die lieder nicht anstößig, aber sie sind normativ. ich beschäftige mich gerade intensiv mit der frage wie ich denn anspruch und wirklichkeit mit einander in einklang vringen soll. und ich sage es ist schon ein riesen fortschritt wenn in den kindergärten nicht getrennt nach mädchen und jungs gebastelt wird. und ich glaube das es neben der „ich bin reflektiert und so priveligiert das ich mir gedanken über kinderlieder machen kann“ position eben noch tausend andere gibt. und ich versuche das dem kind zu vermitteln. oder so

      • kraehenmutter schreibt:

        mein problem ist, glaub ich: ich finde die kita so perfekt.
        die erzieher/innen so lieb, wahnsinnig gefühlvoll, bemüht, ideenreich, kreativ, singend durch den wald ziehend.
        tolle angebote, in meiner wahrnehmung keinerlei selektion nach irgendwas.

        aber es ist halt „nur“ die kita. die es so vielen leuten recht machen müssen. und es bei fast allen auch schaffen.
        die kinder aus unterschiedlichsten elternhäusern betreuen, mit ganz eigenen geschichten und problemen.

        und jetzt kommt der kerl daher und will ihnen sagen, was sie falsch machen..?
        das wäre mir peinlich, weil ich ja irgendwie noch dazugehöre..von außen betrachtet.
        also denen noch mehr sorgen zu bereiten, weil die sich echt jeden furz zu herzen nehmen.

        manchmal hätte ich gern ein schild „<– ich gehöre nicht dazu."

  2. Unsichtbar schreibt:

    ja genau das meine ich. also mich auch nochmal selbst überprüfen wenn ich merke, dass mir was aufstößt. ist das jetzt angemessen. also mein bedürfniss nach gendergerechter oder nicht ableistischer sprache jetzt zum beispiel. kann ich das vermitteln. in dem gegebenen rahmen. und so geh ich halt meinen freundinnen auf die nerven mit „ich find das aber -istisch“ anmerkungen. und aber bei der tagesmutter nur wenn es wirklich krass ist. und genau das, wie hoch ist die arbeits und reflektionsbelastung bei den erzieher-innen eh schon. haben die noch die resourcen das belehrende noch umzusetzten. oder schaffe ich da nur ein schlechtes gewissen, ohne ein angebot zumachen, das es auch leichter wird sowas umzusetzten. ich hätte so gerne ein anti-istisches liederheft. weil nur meckern hilft ja auch nix.

  3. Sandra schreibt:

    Grundsätzlich habe ich in meiner Kindheit auch Räuber und Gendarm gespielt, politisch unkorrekte Lieder gesungen, sogar Spiele gespielt wie „Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann“ und trotzdem kann ich heute reflektiert mit Geschlecht, Nationalität und ihre Konstruiertheit, Gewalt und Staat umgehen. Ich würde meinem Kind ebenfalls keine Pistole als Spielzeug in die Hand geben (ich würde sie ihm aber auch nicht gegen seinen Willen wegnehmen) und zu Hause auf entsprechende Literatur und Liedtexte achten. Bei Freunden und Verwandten würde ich das auch ansprechen, um ein Bewusstsein zu wecken. Gäbe es denn eine Institution, die seinen Vorstellung entspräche? Für uns bedeutet das nämlich in letzter Konsequenz, dass unser Kleinkind nicht fremdbetreut werden wird, sondern von uns (wirklich gleichberechtigt von uns und nicht nur von mir) und wir entsprechende Spielangebote anderweitig schaffen.

  4. Christiane aus DD schreibt:

    wow. es gibt doch immer wieder dinge im leben mit kleinkind, mit denen man sich vorher nie beschäftigt hat. aber oft muss man eben kompromisse eingehen. wenn der vater des kindes es so wichtig findet, was seinem kind begegnet (berechtigterweise, aber doch etwas realitätsfern das umsetzen zu wollen) dann muss er den kleinen rund um die uhr selbst zuhause betreuen. so ging es mir am anfang bei der tagesmutter bezüglich des essens. ich hatte mords-schlechtes gewissen weil ich mein kind diesem kantinenfraß aussetzte und ihn nicht liebevoll daheim bebiokochte, aber das hielt zum glück nur eine woche an und ich habe wege gefunden meinen beitrag zu einer gesunden ernährung zu leisten. ich denke, der herr vater sollte durchaus lob und anerkennung für seine gedanken um sein kind bekommen. nur sollte er auch sehen, dass er niemals nie alles böse, falsche und schlechte von seinem kind fernhalten können wird. er kann doch seinen beitrag zu einem kritischen und reflektierten kind leisten indem er vorlebt, was ihm so wichtig ist und ihm diese lieder daheim nicht vorsingt oder ihm (später mal) erklärt was daran so schlecht ist. wenn der igel seinen vater liebt wird er es ihm gleich tun.

  5. Wortmutter schreibt:

    Ich muss sagen, dass ich diese Kritik nachvollziehbar finde. Noch kann ich an den Kitaliedern welche die Boys mitbringen nichts aussetzen aber der große Herzbube hat neulich selbst gedichtetes gesungen und da ging es auch um zwei Beine. Und wie bei Herrn Schinken schrillten sofort meine Alarmglocken. Ich möchte da schon einen bedachten, sensiblen Umgang und weiß, dass ich da vorallem bei mir selbst anfangen muss. Wenn der Schinkenherr nun diese Kämpfe in der Kita ausficht freue ich mich über die Lorbeeren😉

  6. P. schreibt:

    Ich finde die Kritik nachvollziehbar. Sehr.

    Und: klar kann mensch nicht alles schlechte vom Kind fernhalten. Will ja auch niemand. Nur nix sagen ist auch keine Lösung. Und wer weisz, vielleicht führt das bei den Kindergärtner*innen zu ganz neuen Gedanken. Schlieszlich hat ihre Arbeit mit der Reproduktion von Menschenbildern zu tun, und ähm, ja, das sollte meinetwegen gern bedacht geschehen. Und Alltag hinterfragen. Also auch Lieder, Spiele.

  7. Anna Luz schreibt:

    Oh jemine! Ich muss sagen, dass ich das zum Teil ganz schön an den Haaren herbeigezogen finde. Es gibt für alles einen vernünftigen und wichtigen Boden, auch bei Kinderliedern und natürlich vor allem in der Kindererziehung. Ich glaube aber nicht, dass das Singen eines Liedes über Schneemänner den Kids irgendwelchen ideologischen Schaden zufügt. Da werden die Kinder übrigens auch permanent unterschätzt: als ob ein Kind nicht unterscheiden könnte zwischen dem, was seine Eltern ihm darüber sagen, vorleben, ihm beibringen und dem, was in der Welt um es herum so geschieht und was oft anders ist als im eigenen kleinen Umfeld. Kinder SEHEN die Unterschiede. Sie nehmen sie permanent wahr, ordnen sie ein und schaffen sich ihre eigenen Kategorien dazu.

    Wenn die Konsequenz dann ist, das Kind komplett aus den sozialen Zusammenhängen der großen bösen Welt heraus zu nehmen und es in einer PC-Bubble groß zu ziehen, dann sehe ich doch die Gefahr, dass die Kinder zwar die „richtige“ Weltsicht haben, aber niemals lernen, sich in der Welt „da draußen“, die anders ist, damit zu behaupten. Richtiger fände ich, wenn es Herrn Schinken denn so stört, das mit dem Igel selbst anders zu singen und ihm zu erklären, wieso er das anders singt/macht/findet/random. Dann kann das Kind nämlich irgendwann selbst sehen, wo die Unterschiede sind zwischen dem, was Papa richtig findet und dem, was draußen stattfindet. Und wie es dann damit umgeht, das bleibt übrigens noch abzuwarten.

    Ob der Igel ideologisch mal „richtig“ tickt oder nicht, liegt ganz allein in der Verantwortung der Eltern. Nicht bei einer Schnemmanliedersingenden Erzieherin.

  8. ECObabe schreibt:

    Ich denke auch, dass sich im Liedgut immense Mengen an Stereotypen verstecken, von sehr subtil bis krass offensichtlich. Die Frage ist: Inwieweit prägen sie das Menschenbild meines Kindes tatsächlich mit? Ich finds wahnsinnig toll, dass der Herr Tofuschinken das wahrnimmt und sich dessen annehmen will.

    Die Frage ist jetzt nur: Was ist der sinnvollste, weil wirksamste Weg? Wahrscheinlich nicht das Verbot – den Kulturgut dringt durch, wenn nicht auf pädagogischem, dann auf hinterhöfigem Weg. Es ist sicher nicht schlecht, Die Erzieherinnen zu sensibilisieren – ob das vor allen geschehen muss? Eine andere Frage.

    Ich glaube, der einzig wirklich nachhaltige Weg ist, dem Schnurps Selberdenken beizubringen – heißt: Prinzipiell erstmal alles, was an vorgefertigtem Gedankengut auf ihn/sie zukommt, zu hinterfragen.

    In der Praxis: Wenn Schnurps mit dem Schneemannlied nach Hause kommt, rausgehen (bei Schnee) oder drinnen (mit Pappmaché/ gezeichnet, aber besser ist dreidimensional) eine Schneefrau mit richtig dicken Möpsen (he,he) fabrizieren. Und dann fragen: Und was ist das? Dauert ungefährt vierzig Sekunden und vielleicht ein bisschen mentales Hingeschubse und Schnurps/eline wird nie wieder denken, es gibt nur Schneemänner. Dann das Lied nochmal zusammen singen – in beiden Fassungen. Und schon ist die feinste Immunisierung entstanden, die er/sie wahrscheinlich in die Kita zurücktragen und dort eine wunderbare Diskussion anregen wird.

    Lässt sich analog mit Videos von den Paralympics (Beine? Echt, jeder????) und dem Grün, Grün, Grün… (Bunt, bunt, bunt sind alle meine Kleider, weil mein Liebster jeden Tag was anderes tut – die Nummer mit dem Jäger etc. ist hoffentlich eh gestrichen, weil das ist echt ein Albtraum) realisieren. Und irgendwann wirds zur Herausforderung, alles auf Eindimensionalität hin zu überprüfen.

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