Körperwelten. Jetzt mit Haut drüber. In echt.

Ein eeeewiges Thema.
Das hier find ich ziemlich beeindruckend.
Und ich frage mich, woran die Unterschiede wohl liegen mögen..?

Ich kann mich nicht erinnern, jemals (Großes Wort. Sagen wir einfach ab der Pubertät.) ein positives Bild von meinem Körper gehabt zu haben.
Ich fand mich immer zu fett.
Wurde zwar nur „die Dicke“ genannt, aber in meinen Augen war ich unsäglich fett.
Das finde ich auch jetzt noch häufig, obwohl ich etliche Kilo leichter bin.
Mein morgendlicher Gang auf die Waage bestimmt so gewaltig meine Laune für den Tag, dass es mehr als gruselig ist. (Schon der morgendliche Gang ist nicht immer drin. Wenn ich den Tag/die Tage davor „böse“ gegessen habe, fällt der aus. Weil ich mich nicht traue und Angst vor den Zahlen habe.)
Wieviele Diäten ich in meinem Leben begonnen/durchgezogen habe, kann ich beim besten Willen nicht sagen.
Soviel ist klar: mein Stoffwechsel ist im Arsch.
„Normal“ essen ist nicht.
Am liebsten hätte ich eine Sonde, die mich ernährt, dann müsste ich mir keine Gedanken mehr machen.
Kein Einteilen mehr in „gut“, „geht so“ und „böse“.
An schlimmen Tagen habe ich das Gfeühl gar nichts essen zu können, weil alles böse ist, mit Fett, Kohlenhydraten, mehr Kalorien als ein halbes Glas Wasser.
Meine bloße (abartige) Existenz war mir etliche Jahre peinlich, schon Einkaufen hat mich puterrot werden lassen, weil ich andere Menschen mit mir und meinem Körper konfrontiert habe. (Nein, ich war nie nackt einkaufen.)
Auch jetzt schäme ich mich manchmal noch für mein Da-sein.
Aber es ist selten geworden.
Mein Körper war nie mein Feind, er war abstrakt, abgespalten, nicht zurechnungsfähig, fremd.
Dementsprechend verzerrt war und ist mein Selbstbild.
Ich muss mich an Zahlen lang hangeln, seien es sichtbar gewordene Kilos auf der Waage, durchgehaltene Diät-Tage oder die Anzahl der über den Tag verspeisten Mahlzeiten (geteilt durch die guten/bösen Lebensmittel) um einschätzen zu können, wie er wohl eventuell aussehen könnte.
Auch das ist relativ.
Die Arme sind immer zu Fledermausartig, der Bauch zu rollig, die Oberschenkel zu breit, der Hintern zu hängend.
Egal, was die Waage sagt.
Während einer Therapie sollte ich ein paar Mal skizzieren, was mir an meinem Körper gut gefällt.
Meine Füße fand ich gut.
Der Rest (Augenbrauen, Handgelenke) war gelogen, um nicht ganz so erbärmlich zu wirken.
Inzwischen mag ich meine Handgelenke aber wirklich.
Meistens jedenfalls.
Leider sind meine Finger zu fett.
Passen damit dann wenigstens zum Rest des Körpers.

Und nun?
Tatsächlich habe ich trotzdem momentan das beste Körpergefühl meines Lebens.
Einerseits sind die Zahlen recht gnädig, andererseits gibt mir ein Kind auch ein wenig eine Ausrede für meinen Schwabbelbauch und die Hängebrüste. (Blablabla, tut es nicht und sonstwas fürn Arsch. Für mich tut es das.)
Und nun kommt das irrste: ich habe tatsächlich die ersten Male im Leben gesagt bekommen, dass ich schön bin, mein Körper begehrenswert ist (ich wähle mal ein alltagstaugliches Wort), sich gut anfühlt.
Was das für einen riesen Unterschied macht, hätte ich nie gedacht.
Danke dafür, von ganzem Herzen, auch, wenns vielleicht gelogen war.
Nicht danke an meine Familie, die mir so etwas nie gesagt hat, mich eher mit Diät-Tipps, mahnenden oder „witzigen“ Sprüchen versorgt hat und es immer noch tut.

Was ich damit sagen will?
Keine Ahnung.
Wird die Sucht nach diesem Hochgefühl des Hungerns jemals wieder verschwinden?
Unwahrscheinlich.
Körperlichkeit ist nicht einfach.
Zumindest nicht für mich.
Ich bin in diesem Zusammenhang saufroh, einen Sohn zu haben, bei einer Tochter hätte ich viel mehr Angst ihr Körperbild unabsichtlich zu verkacken.
Ihm sage ich so oft es geht, wie unglaublich schön er ist.
Aus vollem Herzen.

(Und wer jetzt mit Diät-/Sporttipps kommen will: bitte Maul halten. Ernsthaft.)

 

 

Hier noch ein Text der Mädchenmannschaft zum Thema.

5 Gedanken zu “Körperwelten. Jetzt mit Haut drüber. In echt.

  1. wortmutter schreibt:

    Ich hab antworten wollen und dann wusst ich nicht was und hab gewartet. Und hab weiter gewartet.
    Dein Text hat mir nen ordentlichen Kloß im Hals verschafft. Mehr weiß ich noch immer nicht zu sagen.

  2. taufkerze schreibt:

    Das ganze gibt es auch anders herum.Ich habe mich die ersten 25 Jahre meines Lebens immer zu dürr und dadurch unattraktiv gehalten.Statt Brüsten hatte ich Mini- Hautsäckchen. Ich hab gedacht, ich krieg nie nen Mann. Aber es kam Einer, der mich attraktiv fand und mit dem ich mittlerweile 4 Kinder habe .In den Schwangerschaften und in den ersten Stillmonaten hatte ich dann immerhin apfelgroße Brüste. Erstaunlicherweise habe ich meinen Körper mögen gelernt auch in den schwanger- und stillfreien Zeiten. Vielleicht hängt das mit den großen Leistungen zusammen die mein Körper bei den Geburten und und den langen Stillzeiten (3,5 2,5 3,25 Jahre) vollbracht hat. Mein kleinstes Würmchen habe ich wieder vor so lange zu stillen,wie es gebraucht wird. Im Moment ist mein Körper auch ziemlich faltig und schwabbelig (wie ein Luftballon dem man nach 1 Woche die Luft rausgelassen hat)

  3. Okaybritta schreibt:

    Ach „toll“! Geht mir genau so… (der Große ist krank (<-Achtung! : Klammer IN der Klammer!), der hatte früher übrigens auch Neurodermitis… Jetzt "nur" noch Pseudokrupp und Asthma.) und ich lese mich jetzt hier durch den Blog. So.

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