Mein Nervenkostüm

Bereits vergangene Woche gab es eine hitzige Diskussion mit zwei Kommilitoninnen, warum ich denn (mit Kind) nicht noch 17.30 spontan an den See fahren möchte. Das sei doch gar nicht anstrengend. Ich muss doch nur am Wasser liegen und nichts tun. Und wir fahren auch ganz früh wieder zurück. Das Kind sei doch auch so unkompliziert und würde alles einfach mitmachen.

Alle mitlesenden Eltern finden sicher die Fehler.

Ganz ehrlich: mit Kind ist alles anstrengend.
Sauschön und sauanstrengend.
Um es nicht für andere anstrengend zu machen, lege ich mich mächtig ins Zeug. Es wird Beschäftigungsmaterial eingepackt, außerdem verschiedenste Snacks und Getränke. Dazu ein geduldiges Dauerlächeln aufgesetzt um die Stimmung nur ja nicht kippen zu lassen und dann mit kreischendem 4jährigen heulend nach Hause zu fahren, weil der eigene Akku einfach völlig leergesaugt ist und sich der Kopf nur nach 15min Nichts sehnt.
Wie der kommende Tag nach so einem Ausflug aussieht, können sich wohl die meisten denken. Schön auf jeden Fall nicht.
Das ist von außen vielleicht alles nicht so ersichtlich und so stand ich als ganz schön langweilige Spielverderberin da, als ich den See-Ausflug boykottierte. (Die 30minütige „Du willst doch auch zum See, oder? Schön baden mit uns und so? Komm, sag mal Mama, dass du auch an See willst!“-Arie dem Kind gegenüber hat meine Laune nicht gerade verbessert. Danke dafür.)

Eine der Kommilitoninnen hat uns nun morgen zu ihrem Geburtstag eingeladen und es ist ihr ganz, ganz wichtig, dass wir auch kommen.
Sie fahren gegen Abend zur Ostsee, feiern dann am Strand rein, übernachten in einem WG-Zimmer und wollen den nächsten Tag dann noch nach Rügen und abends wieder zurück.
Wäre wirklich, wirklich schön, wenn wir auch dabei sein würden.
Echt jetzt.
Soooo anstrengend wird das schon nicht.

Ha.
Ja.
Klingt fantastisch.
Aber ihr wisst doch: ich bin ne elende Langweilerin und gönne weder mir noch meinem Kind irgendwelchen Spaß.

(Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich nach den Prüfungen nicht noch mit saufen gekommen, sondern so schnell wie möglich zum Bahnhof geradelt bin. Weil ich *gääääääähn* mal wieder (!) pünktlich in der Kita sein wollte. Echt ey. Saftsäckin, ich elende.)

14 Gedanken zu “Mein Nervenkostüm

  1. nudge schreibt:

    Solche Ansichten können nur von Leuten kommen, die überzeugt davon sind, zu wissen, wie das mit Kindern so ist, weil sie ja das entsprechende Buch dazu gelesen haben (Titel “ Wie das Leben mit Kindern ist – Einblicke aus dem realen Leben“). Aber hey, kannste Buch dazu lesen, Film dazu gucken und weißt trotzdem erst dann wirklich richtig Bescheid, wenn Du es erlebst – reality TV sozusagen. Und mit Erleben meine ich nicht als Außenstehender, sondern als Verantwortlicher, d.h. Mutter/Vater.
    Aber ist es das (die hitzigen Diskussionen, die blöden Gefühle als Spielverderberin dazustehen etc.) wirklich wert, wenn es Dir augenscheinlich mehr Kraft raubt, Unternehmungen solcher Art mitzumachen und vorzubereiten, als es Dir Kraft gibt? Ja, ich weiß, dass man ab und an einfach auch dabei sein will und Teil eines Lebens außerhalb des Kind-zentrierten Universums, aber es macht alles etwas mehr Spass und ist der Mühe auch wert, wenn man vom Gegenüber verstanden wird. Das scheint hier nicht unbedingt der Fall zu sein, oder?

    • kraehenmutter schreibt:

      Ich fürchte, dazu muss mensch nicht mal ein Buch gelesen haben.
      Es reicht in der Regel: “ Ich habe auch schon mal Kinder auf der Straße gesehen, ich weiß, wie das ist.“

      Manchmal lassen sich solche Unternehmungen ja nicht vermeiden, ich versuche mich, so oft es geht, an meinem momentanen Energie-Level zu orientieren und unsere Ausflüge dem anzupassen.
      Ärgern tun mich solche sinnlosen Diskussionen trotzdem.
      Umso mehr tut es gut, im Kreise anderer „Betroffener“ auf offene Ohren zu treffen.

    • kraehenmutter schreibt:

      Ach komm, sooo anstrengend ist das doch gar nicht.
      Ich hoffe, wir schaffens bald mal wieder gemeinsam nur da zu liegen und zu relaxen, während die Kinder uns die Füße massieren und Luft zufächeln.

      • alsmenschverkleidet schreibt:

        Was genau ist jetzt doch nicht so anstrengend ?!? Das Unverständnis und sichnullnichtnieeinfühlenkönnen vieler nichtkidshabender Menschen um mich herum ?!? Oh doch, das ist mega anstrengend….und ansonsten: JAJAJAJA ! Das hoffe ich auch !❤ ! P.S.: Ich hole die Palmwedel aus dem Keller und mixe uns schon mal ein paar Sexohnebeach, ok ?!?

      • kraehenmutter schreibt:

        Die können sich doch alle einfühlen, sind ja quasi in genau der gleichen Situation. Nur noch ärger eigentlich.
        (Ich hab nur den Satz wiederholt, bei dem ich jetzt nochn Kotz-Klumpen im Hals bekomme. ;P)

  2. kraehenmutter schreibt:

    Es gab übrigens nochmal eine kurze „Nachbesprechung“: beide besagte Kommilitoninnen waren einhellig der Meinung, ich wäre nur so bockig (!) gewesen, weil ich eifersüchtig gewesen sei.
    Aha.

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