Nicht mal halbe Sachen

Im Storchengang balanciere ich vom Bad Richtung Bett. Der Boden klebt an etlichen Stellen. Dort, wo er es nicht tut wirken Krümel/Sand/Staub als Puffer zwischen meinen nackten, vermutlich dreckigen Füßen.

Der Schlaf zirkuliert zwar träge in meinem Körper, ganz Besitz ergreifen will er dann jedoch auch nicht. Zu unruhig ist mein Geist. Worte hallen nach. Der Kopf schmerzt gedämpft. Mein Tag klingt aus.

Ein unfertiger Tag, wie Glitzerschleim in die Länge gezogen, mal dicker, mal fast durchsichtig. Dreck haftet an, der Geruch ist eigentlich eklig und doch muss eine immer wieder daran schnüffeln. Die funkelnden Flimmer-Partikel sind noch sichtbar, wenn auch die Oberfläche stumpf und glanzlos wirkt.

Ich habe die halbe Wäsche aufgehangen, den halben Geschirrspüler eingeräumt. Das Baby und ich waren immer mal so halb bekleidet, haben Brot und Obst (abgewaschen! Das Kochen der Rohkostküche.) gegessen, gerade genug um den halben Tag gesättigt zu sein.
Von meiner To-Do-Liste habe ich ungefähr 1/8 erledigt, 1/16 meines Körpers gewaschen (Oder wieviel nimmt das Gesicht ein?), dafür das Baby komplett und zwar mehrmals. Ob das Baby die gesamte oder nur die Hälfte der Klobürste abgelutscht hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Gestrahlt hat es danach auf jeden Fall über das ganze Gesicht.

Immer wieder muss ich mir an solchen Tagen – welche meist Bestandteil von solchen Wochen sind – sagen, dass der Haushalt nicht meine Aufgabe ist, sondern lediglich die Kinderbetreuung.
Und das lief auch recht gut, wir haben viel im Bett gelegen, gestillt, gekuschelt, Quatsch gemacht. Ich habe mir in die Nase beißen, Haare ausreißen und das Gesicht zerkratzen lassen. Getröstet, gekitzelt und Windeln gewechselt.
Trotzdem.
Das schale Gefühl bleibt. Ich wünsche mir, in der Zukunft das „Nichtstun“ genießen zu können, ohne ein permanent schlechtes Gewissen zu haben ob nicht eingehaltener selbst gesetzter Fristen wann ich denn nun jetzt wirklich mal aufstehe und mit Aufräumen beginne.

Inzwischen führt im Kinderzimmer eine Ameisenstraße vom Balkon unters Bett. Wenigstens denen gefällt es hier also.

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Natalie sagt:

    Super! Sowas zu lesen baut mich heute echt auf! Mir geht es genauso. 🙂

    1. Was wiederum mich aufbaut!
      Danke, dass ich nicht der einzige wandelnde Pritt-Stift bin! 🙂

  2. Okaybritta sagt:

    Möp, mein Kommentar ging flöten…

  3. Okaybritta sagt:

    Hatte mir schon kurz Sorgen gemacht. Aber dir ist wohl das Leben mit allem einfach voll ins Gesicht gesprungen, ne? Denkst du, dass das alles normal ist noch fürs erste Jahr mit Baby oder du (mehr) Hilfe brauchst? Du bist Hebamme und kannst es sicher eigentlich einschätzen oder? Fühl dich mal gedrückt. Meine Mutter gab mir mit auf den Weg:
    Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist.
    Ganz schlaue Frau. Eigentlich. ❤️

    1. Ach du Liebe!
      Also ja, es mag sich drastischer anhören als es ist. Und ja, zwei kleine Menschen tragen hier ihren Teil zum Chaos bei, sind aber ganz sicher nicht ursächlich.
      Denn (und jetzt kommts): ich war noch nie ordentlich. Meine Stärken liegen definitiv in anderen Bereichen. Und das ist auch eigentlich okay, das muss ich mir nur immer wieder sagen.
      Manchmal schreibe ich Blogartikel, die ich selber gern lesen würde. Davon, dass der Boden klebt und auch der eigene Körper, das Fristen verpasst werden und vor allem, dass das Leben trotzdem weiter geht. Du weißt schon..;)

      Bei Instagram brauche ich trotzdem mal ne kurze Pause, das hat zuviel Zeit verlangt, welche ich gerade nicht habe und mich dann frustriert.

      Sei ganz feste zurück gedrückt! ❤️❤️❤️

  4. msoflannagan sagt:

    Ich könnte jeden Tag nen Blogeintrag von dir lesen 🙂

    1. So einen Post könnte ich auch quasi jeden Tag verfassen. 😉
      Liebe Grüße an dich!

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