Am Stinkemeer

Es ist 9.01Uhr, in fünf Stunden geht unsere Fähre zurück in den Alltag. Noch schlumpern wir neben der Wikingerfestung kurz vor Trelleborg herum, das Baby hält sein erstes Nickerchen, Gingerman und Großkind spielen Lego im Alkoven. Ich versuche mich an den Geruch des Meeres hier unten zu gewöhnen, den wohl alle Schwedenurlauber*innen kennen.
Das ist mir noch nie gelungen und wird es wohl auch dieses Mal nicht.

Die Entscheidung überhaupt zu fahren fiel recht kurzfristig, nämlich fünf Tage bevor es losging. Erstmal musste ich meine Angst so ein großes Gefährt zu fahren überwinden, dann habe ich im Alleingang Wohnmobil und Fähre gebucht, gepackt, grob geplant, dann die Kinder und den Gingerman reingesetzt und los gings Richtung Norden.
Darauf bin ich schon ein bisschen Stolz, vor allem, dass ich mich meiner Angst gestellt habe tat mir gut.

Nun bin ich gute 1700km gefahren und im Kopf schon längst wieder in meinen diversen Listen angelangt, eigentlich war ich nie wirklich weg. In den kommenden Wochen steht so einiges an, viel emotional aufwühlendes, vieles, was ich erledigen und schaffen muss.

Hinter uns liegen zwei Wochen die sich doch eher mindestens doppelt so lang anfühlen, wir haben wirklich viel gesehen und fühlen uns jetzt ganz kulturell.
Ich hatte zwei Zusammenbrüche während denen ich alles packen und wieder zurück fahren wollte.
Beide Abends auf Schotter-Stellplätzen, als wir zusammen gepfercht versuchten Abendbrot zu machen, die Kinder zu beschäftigen und das Wohnmobil Nacht-fertig zu machen.

Regenwetter mit einem krabbelndem Kleinkind (ja, seit kurzem haben wir kein Baby mehr) und nur 5qm-Wohnmobil zerrt an den Nerven. Das hat nicht viel mit guter Kleidung zu tun, zumindest ich finde es dauerhaft zu kalt auf dem Boden in Pfützen zu planschen, wenn es die Temperaturen Nachts kaum über den Gefrierpunkt schaffen.
Sämtliche Laufversuche hat es inzwischen eingestellt, dafür kann es jetzt Leitern hochklettern, alleine bäuchlings rutschen (vorwärtsgerichtet natürlich) und UNO-Karten futtern. Außerdem gibt es ein neues Zähnchen und es könnte nun Nahrung allein durch die aufgenommenen Steinchen im Magen zerkleinern, Babysaurus.

Das große Kind fand den Urlaub super, selten habe ich es durchgängig so gut drauf erlebt, es hat gespielt, gerätselt, gesungen, ist gerannt und hat Schätze gefunden. Bullerbü 2017 irgendwie.
Auch der eine Kotz-Abend (natürlich hatte ich für so etwas nicht genügend Wechselwäsche eingepackt) konnte die Stimmung nicht trüben.

Und wir Eltern?
Saumüde. Viel zu wenig Schlaf. Laut, intensiv, keinerlei Auszeiten. Doch, das Duschen für 5SEK pro 3 Minuten, das war unser Wellness-Moment, leider auch nicht jeden Tag.
Noch nie haben wir vier zwei Wochen so eng miteinander gelebt, das tat auf jeden Fall gut. Wir sind noch enger zusammen gewachsen, waren ohne große Ablenkung (außer Benjamin Blümchen in hot rotation) nur aufeinander fokussiert.
Trotzdem freuen wir uns auf Zuhause, ein normales Klo, das große Bett, unseren Geschirrspüler und all den anderen Alltagsluxus.

Es war einer der anstrengendsten und zugleich schönsten Urlaube aller Zeiten. (Leider auch der teuerste. Aber ich hätte es mehr bereut nicht zu fahren als gefahren zu sein.)

Werbung

Was sagst Du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s