Ansichtssache

Mit 15 war ich überzeugte Feministin, habe Bücher dazu gelesen, schlaue Sprüche drauf gehabt und war generell ziemlich anti, Pubertät halt.

10 Jahre später war ich mir dessen nicht mehr so sicher.
Einschlägige Aufkleber zierten meinen Kühlschrank, Aufnäher meinen Pulli, die Bücher standen immer noch im Regal, jedoch: in meinen Armen lag ein Baby.
Stillen oder nicht stillen stand für mich nie zur Diskussion, ich kümmerte mich um Klamotten- und Windelnachschub, organisierte Arzttermine, machte die üblichen Kurse mit dem Baby. Der Papa des (inzwischen großen) Kindes trat durchaus als solcher in Erscheinung, nach 6 Monaten ging er auch mal 1-2 Stunden mit dem Baby raus und ich hatte Zeit für mich und/oder den Haushalt.

Nach knapp 10 Monaten ging ich arbeiten, das Kind wurde bis zum 2.Geburtstag vom Papa betreut.
Ich arbeitete in einem reinen Frauenberuf, dem deutschlandweit meines Wissens drei Männer nachgehen.
Ich war für langes Stillen, Familienbett, späten Kita-Eintritt, Attachment Parenting und den ganzen Rattenschwanz (und bin es heute noch).
Karriere gibt es in diesem Beruf nicht, dafür schlechte Bezahlung, unbezahlte Überstunden und den Freifahrtsschein in die Altersarmut.
Immerhin: Kinder stellen kein Hindernis dar, sondern gelten eher als Kompetenzgewinn. Zumindest solange frau 24/7 verfügbar und arbeitswillig ist, sowie sich reichlich spontane Kinderbetreuungsmöglichkeiten organisiert hat.

(Über die Rente habe ich mir nie ernsthaft Gedanken gemacht, ich werde ja eh keine mehr bekommen. Der Generationenvertrag läuft aus, selbst wenn seit 2-3 Jahren wieder ein zaghafter Anstieg der Geburtenzahl zu verzeichnen ist.)
Alles in allem also recht altbackene Ansichten.

Aber ich war nach einem Jahr auch alleinerziehend, muss frau da nicht per se Feministin sein? Wenn sie eh alles allein macht, vom Großziehen, Wäsche waschen und dem Regal an die Wand nageln. (Ich bin bis heute eher der Nagel- statt Schrauben-Typ. Aber sind solche Kategorien nicht gerade das Problem, die Aufteilung in typisch männlich/typisch weiblich? Frauen nageln, Männer bohren?)
Gibt es feministische Langzeitstillerinnen, die für Fragen zur Waschmaschinenreperatur den Papa anrufen oder müsste ich mir das selbst ergooglen?

Das umstandslos-Magazin war im Entstehen und ging 2014 online, ich wollte eigentlich auch gern mitschreiben, habe es aber bisher nie getan, bis zur Februar-Ausgabe 2017.
Und auch diesen verfassten Text reichte ich mit ziemlicher Unsicherheit ein und der Frage im Kopf „Wie feministisch bin ich eigentlich?“.
Als angehende Akademikerin (ich habe immerhin einen Studentenausweis, wenn auch momentan hauptsächlich wegen des Semestertickets) gehe ich natürlich wissenschaftlich an das Ganze und suche daher erstmal nach einer Definition.

Feminismus.

Tja.
Gibt’s die?
Also DIE, allgemeingültige?

Selbstverfreilich nicht und da beginnt mein Dilemma oder auch vielleicht meine Antwort.
Ist das eventuell so wie beim Punkrock?
Feminismus ist das, was du draus machst?

Darf ich mich dann Feministin nennen, auch wenn ich derzeit ausschließlich care-Arbeit mache, welche mitnichten 50/50 aufgeteilt ist zwischen uns Sorgeberechtigten?

Woran ich andererseits aber auch gar kein Interesse habe, das ist doch wahnsinnig unfeministisch, oder?
Gern Zuhause und ausschließlich Mutter zu sein, zwar ab und zu mal meckern, aber nicht vehementer als ich es übers Wetter tue.
Geht es um Wahlfreiheit oder müssen Alternativen gelebt werden?
Reicht es, den Gingerman auf sein Mansplaining aufmerksam zu machen (er wollte mir tatsächlich Mansplaining erklären – was haben wir gelacht) während ich das Baby einschlafstille? Ihn ausschließlich daraufhin zu weisen, dass es nicht MEIN Wickeltisch ist und dann trotzdem 90% der Windeln zu wechseln? Weil er es eh nicht richtig genug für mich macht? Betreibe ich maternal Gatekeeping oder hängt er sich da nicht genug rein? (Ein schöner Artikel dazu bei Jochen König.)

Ich weiß es echt nicht.
Manches erscheint mir aber auch einfach zu theoretisch, gedanklich zerkaut und zugegebenermaßen irgendwie abstrus.
Mein Ideal ist nicht 50/50 sondern 100% zusammen. Habe ich mich selbst verloren, wenn ich in meinen (derzeit real nicht existierenden) kinderfreien Stunden irgendwie gar nichts mit mir anzufangen weiß? Oder ist dies einfach nur meinen mangelnden Hobbies geschuldet? Meinem Still-Matschhirn? Charakterfehler?

Darf ich gluckende Helikopter-Mutter sein und nicht einen festgelegten Zeitplan für die Kinderbetreuung haben? (Ginge eh nur am Wochenende, unter der Woche ist der Gingerman 12h außer Haus und damit nur in Randbereichen an der Kinderbetreuung beteiligt.)

Mir fällt durchaus auf, dass in den Facebookgruppen welche Kinderthemen betreffen überwiegend (ausschliesslich ist so ein großes Wort) Mütter aktiv sind. Oder ist das selektive Wahrnehmung? Schreiben im Stoffwindelchat auch Männer? Fragen bei den Tragetuchgruppen auch Männer nach FG und suchen ihr DISO?

Sollte ich dort austreten und mich feministischeren Gruppen widmen oder reicht das Bewusstsein?
Ich möchte keine Betreuungsmöglichkeiten für Kinder ab 6 Wochen und dann so schnell wie möglich wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.
Auch, wenn andere das super fänden.
Ich möchte in meiner Care-Arbeit gesehen und finanziell unterstützt werden, egal, wann ich beschließe, das außerhäusige Betreuung für meine Kinder gut wäre.
Ja, eben diese zu bekommen war meine private Entscheidung. Aber sie werden mehreren von uns Alten mal den Hintern abwischen, es ist doch zumindest offiziell politisch gewollt, dass wieder mehr Kinder geboren werden.

Wieso kann es nicht ein staatliches Budget geben, von dem ich entweder Zuhause bleiben oder die Betreuung meiner Kinder angemessen bezahlen kann?
Ich schweife ab.

Gibt es nur den Karriere-Feminismus oder darf ich auch den Hausfrauen-Feminismus leben? Ohne zu abendlichen Veranstaltungen zu dem Thema zu gehen um anschließend noch bei nem Bier zu socialisen? Auf Abpumpen habe ich keine Lust und wild und gefährlich bin ich eh nur noch morgens vorm ersten Kaffee.

Reicht mein „Every mother is a working mother“-Button am mit 20kg Einkauf gefüllten Rucksack oder ist diese Aussage anti-emanzipatorisch? Wirkt das lächerlich wenn ich besagten Rucksack und das Baby schleppe, mir über jeder Schulter ein Beutel und an der Hand das große Kind hängt, während der Gingerman nur soviel einkauft wie in seinen kleinen Arbeitsrucksack passt und sowieso nur nach Aufforderung?

Gibt es Feminismus in Abstufungen?
Wieviel Prozent bekomme ich, wenn ich beruflich Frauen dazu ermutige für sich selbst zu sorgen, ihren Mann mit „einzubeziehen“ (schon für das Wort gibt es Minuspunkte), aber auch offizielles Mitglied der Stillmafia® bin?
Warum treibt mich das Thema jetzt mit Baby wieder mehr um, als es das mit größerem Kind getan hat? (Wobei dieser Artikel seit 2013 als Entwurf herumgeistert.)
War ich Vollzeit-arbeitende Singlemutter einfach nur zu müde von meinen ganzen Tinder-Dates oder liegt es an der jetzt gelebten Beziehung, dass ich plötzlich wieder über den Feminismus nachdenke?

Lese ich rein zufällig gerade wieder mehr darüber?
Hat die Machtergreifung Hit-ääääh-Trumps damit zu tun? (Ich weiß, ich weiß, beide wurden gewählt.)

Die Bilder von Menschen, mit dem Schild: „I need feminism because..“ lassen mich beschämt zurück.
Weil na klar, auf jeden Fall bin ich Feministin! Ich möchte wirkliche Gleichberechtigung, Chancengleichheit, Leben in Sicherheit undsoweiterundsofort für alle Menschen dieser Welt.

Aber in meiner kleinen Internet-Blase, kann/will/darf ich mich da Feministin nennen?
Müsste ich mit rosa Pussy-Hat rumlaufen? Ist es feministisch die Farbe rosa ganz unmöglich zu finden? (Im Gegensatz zu Glitzer, das ist ne Hammer-Farbe!)
Ist es okay auf Instagram meinen (ungeheuer heißen, sexy, antörnenden) Afterbabybody zu zeigen oder ist dies ein Eingeständnis der Reduktion des weiblichen Seins auf die bloße Optik?
Wie sehr muss ich nicht das klassische Rollenmodell leben, damit meine Kinder keine Arschloch-Sexisten werden? Reicht es, wenn sie bunt lackierte Nägel und lange Haare haben und ist der neue Bibi und Tina-Film gemeinsam im Kino gesehen schon der Anfang vom Ende?

Keine Ahnung.

Vorstoß aus dem Hinterland

Meine Kinder sind weiß.
Unsere gesamte Familie ist weiß, wenn auch nicht komplett deutsch.
Alle Kinder in der Kita sind weiß, unser gesamtes soziales Umfeld ist weiß.
Ich habe tatsächlich keine einzigen Freund*innen mit nicht weißer Hautfarbe.
In unserem Bezirk sind Menschen mit nicht weißer Hautfarbe die absolute Minderheit. Ebenso war es in den Bezirken in denen ich aufgewachsen bin.

Und ich finde das nicht nur schade, sondern auch schlimm.
(Wobei das für mich schon wieder ziemlich rassistisch klingt. Ich kann es momentan jedoch nicht besser ausdrücken.)
Ich möchte, dass meine Kinder Diversität nicht nur aus Büchern kennen lernen, sondern sie Teil ihres Alltags wird. Weil ich das wichtig finde gegen die Mauern im Kopf, die da auch bei mir manchmal noch einzureißen sind. Die mir vermutlich zum großen Teil nicht mal bewusst sind, eben weil mein Alltag so Toastbrotlastig ist. (Maximal Vollkorn und das auch nur ab und zu.)

Wie ist das bei euch?
Ideen? Meinungen?
Umziehen Richtung Innenstadt möchte ich nicht, das wäre jedoch meine einzige Idee zu dem Thema.

(Auf der Suche nach Ideen habe ich das hier gefunden: Embrace race)

Emanzipation und so..

Das alte Lied: kommen Kinder ins Haus ist es mit obiger recht schnell vorbei.

Ich kenne ein paar Blogs wo versucht wird (wurde?) gegen diese scheinbar automatische Rückkehr ins Uga-Uga-Zeitalter anzugehen, im offline Leben ist es dann wohl aber doch meist so, dass die drei K’s (Kinder, Küche, Kram wegräumen) an der Frau der Hetero-Beziehung hängen bleiben.
Die Ausprägung des Hängen bleibens schwankt von Paar zu Paar natürlich stark.

Im ganz, ganz, GANZ nahen Umfeld habe ich ein Pärchen, wo der Papa Zuhause tatsächlich nichts macht. Also wirklich NICHTS. Weil: viel Arbeit, müde und so. Er überlegt mal ein Wochenende ins Wellness-Hotel zu fahren, um einfach richtig entspannen zu können. Daheim mit dauernörgelnd (und weinender) Frau nebst ebensolchem 4-monatigen Kind funktioniert das mit dem Entspannen halt irgendwie schlecht.
Ich kann da nur noch hysterisch kichern.
Und trösten.

Hier läuft es im Vergleich dazu dann doch um Längen besser und trotzdem kann ich meine Kinderfreie Zeit an einer Hand abzählen. (Genau drei Mal: Zwei Mal hatte das Baby eine OP und ich bin Rotz und Wasser heulend durch die Gegend marschiert, ein Mal hatte der Gingerman es mit draußen und ich hab die Kinderwäsche umsortiert. Yeah.)

Immerhin stoße ich mit meinem Wunsch nach me-time auf Verständnis, ernte reuige Besserungsversprechen und liebevolle Umarmungen. (Ob ich das in Zukunft als Zahlungsmittel bei Aldi einsetzen kann?)

Zumindest bei uns ist das Problem auch ein wenig hausgemacht, weil ich meine Bedürfnisse häufig erst „kommuniziere“ wenn meine Contenance sich gerade in kreischenden Tobsuchtsanfällen verabschiedet.
Warum der Gingerman noch nicht Gedanken lesen gelernt hat, ist mir ein Rätsel.

Dummerweise hege ich nämlich nach wie vor die Annahme, dass er doch wissen muss, dass JETZT die Gelegenheit des Sonntags wäre, mir das Baby „abzunehmen“. (Schon die Wortwahl. Helfen, abnehmen, unterstützen. Peinlich.)

Nicht in 20min, da will das Baby ja 10min später schon wieder an die Brust und meine Auszeit mit im Nebenzimmer vor sich hin nörgelndem Kind ist dann doch anstrengender, als selbst Sorgetragende zu sein.

Und so verbringe ich wohl weiterhin die Sonntagabende mit Wäsche aufhängen, während das vor mich gebundene Kind versucht den Wäscheständer abzulecken und der Gingerman tödlich gelangweilt auf seinen Bildschirm starrt, obwohl er doch eigentlich „etwas schönes“ mit mir machen wollte. (Hä? Ich hab echt keine Ahnung, was das sein sollte, so zu dritt mit unleidlichem Baby…er leider auch nicht.)

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Nicken, lächeln..

… weiter schuckeln.
Oder rühren.
Wäsche aufhängen.
Irgendwie so etwas.

Wie werde ich bitte zwei Kindern gerecht?
Der eine brüllt so laut, dass ich den anderen nicht mehr verstehe. Dieser spricht daraufhin auch lauter, meist versteh ich trotzdem nichts, sondern kann nur nett lächeln und „Aha. Ja. Aha.“ antworten. (Zu 75% erzählt er mir etwas über Lego, da passt das ganz gut.)
Sollte es um Grundbedürfnisse wie Hunger gehen, wird das große Kind zum Glück ausdauernder, oder schreit mir einfach „Ich! Hab! Hungaaaaaa!“ ins Ohr.
Das Baby kann mir leider nicht genau sagen, was es will und muss dann einfach so lange brüllen, bis ich herausgefunden habe, was es braucht und vor allem auch die Zeit habe, dies zu befriedigen.
Manchmal dauert das. Zum Beispiel, wenn das Baby schlafen möchte, der große Bruder aber noch zu Ende erzählen will. Oder Hunger hat. Kacken muss. Die Laterne fertig basteln will. Das übliche halt.
Jeden Abend im Bett nehme ich mir vor, am kommenden Tag härter daran zu arbeiten die Fähigkeit zur Zweiteilung zu erlangen.
Leider bin ich morgens meist zu müde um diesbezüglich Fortschritte zu machen und so schuckle, lächle und nicke ich weiter und freue mich auf den Abend, wenn der Gingerman zumindest den Lego-Part übernehmen kann.

Wie macht ihr das? Geheimtipps?
Ich habe jetzt beschlossen zur Arbeitserleichterung ab kommendem Jahr Lebensmittel zu bestellen, das geht zum Beispiel bei Alnatura ab 50€ Versandkostenfrei (#notsponsored) und erspart mir zumindest die Nahtoderfahrungen beim Großeinkauf mit Baby in der Trage, Wanderrucksack auf dem Rücken, zwei Beuteln über den Schultern und dem großen Kind an der Hand.

(Ja, ich wusste, dass es anstrengend wird. Aber ich hatte ganz naiv auf ein recht unkompliziertes Baby gehofft. Bekommen habe ich ein normales. Nunja.)

Grüße an Frau König

So.
Es ist mal wieder soweit.
Ich blogge.

Nach 14 Monaten Abstinenz, langem nächtlichen Grübeln (ich war quasi konstant wach) und intensivstem Abwägen (SWOT! SWOT! SWOT!) fiel diese schwerwiegende Entscheidung.

Naja, ehrlicherweise muss ich gestehen, dass die Alternativen zum Bloggen derzeit aus Elterngeldantrag ausfüllen (hat auch was kreatives) oder Rechnungswesen-Folien durcharbeiten (dazu kann ich nichts sagen, sämtliche Inhalte sind mir noch völlig unbekannt) bestünden.

Tjaja, da bin ich nun also wieder.

Beginnen wir mit einem Rückblick, das ist in der Regel so semi-spannend und erfordert trotzdem kaum Denk-Einsatz meinerseits.
14 Monate.
Ja mei.
Lange Zeit, ne?

Was geschah:
Zwei Männer zogen in unseren Haushalt ein.
Der eine groß und schlank (zumindest bevor er das deutsche Bier für sich entdeckte), der andere klein und rund (gänzlich ohne Bier, er will nur Bruscht).

Wir sind umgezogen.
Weiter draußen, beinahe doppelt so groß, mehr als doppelt so teuer, lauter, kühler, cooler. Das Großkind möchte nie wieder hier ausziehen und ich lobpreise auch mindestens ein Mal täglich (echt jetzte) unsere Flucht in den Randbezirk.

Okay, mehr Neues fällt mir nicht ein, gefühlt ist mehr in den letzten Monaten passiert.
Meine Frisur ist (wieder) die gleiche und meine im letzten Post angekündigte Super-Diät resultierte in über 20kg Gewichtszunahme. (Ich war wohl einfach plötzlich zu hot und sexy, außerdem äußerst nachlässig beim Thema Verhütung.)
Meine {[(Klammernliebe)]} besitze ich augenscheinlich auch immer noch.

Nun denn liebe Welt da draußen, mach dich gefasst auf mitreißende Artikel zu Lifestyle, Fashion und die neuesten Trends der Automobilbranche!
Irgendjemand wird schon darüber schreiben, hier gibts weiterhin alltägliche Belanglosigkeiten, sowie die nicht geringe Chance auf eine weitere einjährige Pause.

Abracadabra! Dreht sich um die eigene Achse und geht ab in einer Rauchwolke. 

(Ich hab den neuen Harry Potter gelesen, merkt man, wa?)

Wirritäten

Ich liege in einem Deckenwust im Bett, um mich herum eine Peripherie aus Salzteiggebäck, Kuscheltieren und Kinderbüchern. Das Kind verarztet, verkauft und singt, immer wieder muss ich eine Hand aus meiner Höhle schieben um zu assistieren.
Ich bin krank.
Und froh, so ein nettes, verständnisvolles Kind zu haben, welches mit seinen 4,5 Jahren bereits viel Zeit ohne mich totschlagen kann. Woher er diese Leichtigkeit und den Frohsinn nimmt, ist mir ein Rätsel.
Morgen geht der Kerl wieder für ein paar Tage zum Papa und mir blutet bereits jetzt das Herz. Seine letzten Stunden mit mir verbringt er in einsamer Stille, alles „laute“ muss er drüben im Wohnzimmer machen, dazu zählt leider viel, was einem Kind so Spaß macht.
Beim Papa ist ständig was los, es findet sich immer jemand, der mit ihm spielt, er kann rausgehen wann er will, hat sein eigenes Zimmer, Papa brüllt nie rum.
Selbstverständlich ist Papa auch der stärkste Mensch der Welt und weiß alles.

Ja, heute ist einer dieser Tage.
Ich bin sicher nicht die schlechteste Mutter der Welt, dazu gibt es zu viele.
Aber irgendwo bei den lustlosen, ständig schimpfenden, langweiligen, nichts vernünftiges zu Essen zu Hause habenden Motzkühen reihe ich mich ein.

Nun hockt das Kind im Wohnzimmer, hört CD und lernt mit seinem neuen Ting-Buch mit der Hexe Huckla Englisch.
Mit Geschenken überhäufen zumindest kann ich.

Wer unser Leben in freundlichen Pastelltönen sehen möchte, kann dies ab sofort auf Instagramm tun.
Wie ich zu finden bin, steht hier unter „Icke“.

Mein Nervenkostüm

Bereits vergangene Woche gab es eine hitzige Diskussion mit zwei Kommilitoninnen, warum ich denn (mit Kind) nicht noch 17.30 spontan an den See fahren möchte. Das sei doch gar nicht anstrengend. Ich muss doch nur am Wasser liegen und nichts tun. Und wir fahren auch ganz früh wieder zurück. Das Kind sei doch auch so unkompliziert und würde alles einfach mitmachen.

Alle mitlesenden Eltern finden sicher die Fehler.

Ganz ehrlich: mit Kind ist alles anstrengend.
Sauschön und sauanstrengend.
Um es nicht für andere anstrengend zu machen, lege ich mich mächtig ins Zeug. Es wird Beschäftigungsmaterial eingepackt, außerdem verschiedenste Snacks und Getränke. Dazu ein geduldiges Dauerlächeln aufgesetzt um die Stimmung nur ja nicht kippen zu lassen und dann mit kreischendem 4jährigen heulend nach Hause zu fahren, weil der eigene Akku einfach völlig leergesaugt ist und sich der Kopf nur nach 15min Nichts sehnt.
Wie der kommende Tag nach so einem Ausflug aussieht, können sich wohl die meisten denken. Schön auf jeden Fall nicht.
Das ist von außen vielleicht alles nicht so ersichtlich und so stand ich als ganz schön langweilige Spielverderberin da, als ich den See-Ausflug boykottierte. (Die 30minütige „Du willst doch auch zum See, oder? Schön baden mit uns und so? Komm, sag mal Mama, dass du auch an See willst!“-Arie dem Kind gegenüber hat meine Laune nicht gerade verbessert. Danke dafür.)

Eine der Kommilitoninnen hat uns nun morgen zu ihrem Geburtstag eingeladen und es ist ihr ganz, ganz wichtig, dass wir auch kommen.
Sie fahren gegen Abend zur Ostsee, feiern dann am Strand rein, übernachten in einem WG-Zimmer und wollen den nächsten Tag dann noch nach Rügen und abends wieder zurück.
Wäre wirklich, wirklich schön, wenn wir auch dabei sein würden.
Echt jetzt.
Soooo anstrengend wird das schon nicht.

Ha.
Ja.
Klingt fantastisch.
Aber ihr wisst doch: ich bin ne elende Langweilerin und gönne weder mir noch meinem Kind irgendwelchen Spaß.

(Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich nach den Prüfungen nicht noch mit saufen gekommen, sondern so schnell wie möglich zum Bahnhof geradelt bin. Weil ich *gääääääähn* mal wieder (!) pünktlich in der Kita sein wollte. Echt ey. Saftsäckin, ich elende.)

lasset die spiele beginnen

nun isses soweit: wenn der igel und ich uns zoffen, heißts mit zitternder unterlippe: „ich will zu paaaaaapiiiiiiiiiiiiiii!!!!!“
umgedreht genauso.

dann kanns ja nicht mehr lange dauern, bis „aaaaaber bei papi darf ich das immer!“ kommt. 😉

(und ja, son bisschen wurmt mich das ja schon, bisher war einfach immer ich unangefochtene nummer eins…)

selbstbestimmt

4 tage ohne kind.
das war lang.
und irgendwie auch interessant: gefühlte 10 jahre ist es her, dass ich nur mich und die arbeit hatte.
morgens aufstehen, duschen, essen, zeug zusammensuchen, arbeiten, nach hause kommen, essen, irgendwas in der wohnung tun, schlafen.
ich bin tatsächlich sehr erholt, die wohnung sieht tiptop aus und ich habe einiges geschafft. (dummerweise nicht wirklich viel, da ich wetterbedingt jeden abend kopfschmerzen hatte und spätestens 21.30uhr im bett lag.)

auch emotional ist son leben ohne kind ja irgendwie ausgeglichener, kein rummeckern, angst haben, warten, antreiben, ausflippen, aufpassen, …
alles passiert im eigenen rhythmus, ich esse, wenn ich hunger habe, kann vorher ganz in ruhe etwas zubereiten. gehe ins bett, wenn ich müde bin, stehe auf und kann direkt einfach auf toilette gehen, ohne diskussionen darüber zu führen.
wenn ich länger arbeiten muss – who cares? einfach nochn hausbesuch dranhängen, ganz locker, kein problem.
grandios wäre es gewesen, hätte ich auch mal einen tag frei gehabt oder zumindest nicht soviel gearbeitet.
das wär was gewesen, einfach nur rumtrudeln, whoey!
nunja, das kommt wieder.
so in 10-15jahren.

aber (ihr habts alle geahnt, es muss jetzt einfach kommen, schließlich ist dies ein mama-blog!):
ich kanns kaum erwarten den kerl morgen wieder in die arme zu schließen und mir nen fetten knutscher abzuholen.
und ihn dann unter bitten, betteln, schimpfen, verzweifeln ins auto locken, auf der heimfahrt kinder-cds in endlosschleife hören und wahlweise getränke/snacks/??? nach hinten reichen (fahrtzeit circa 5 minuten), ein nass-klebrig-verkrümeltes kind notdürftig per taschentuch-und-spucke-methode reinigen, da es so keine sekunde länger existieren kann, beim überqueren der straße diskussionen zu führen, ob er denn einfach alleine rüber rennen darf, an der haustür meine fast-platzende blase ignorieren, während das kind noch steinchen sammelt, 15kg die treppen hochzuschleppen, mit zusammengekniffenen beinen warten, bis der kerl den versuch die tür alleine aufzuschließen dann doch aufgibt, aufs klo zu stürzen und dann gaaaaaaaaanz entspannt pinkeln, während das kind kreischend vor mir steht, weil es doch bitte zuerst ausgezogen werden wollte.
hachja. 🙂

we proudly present…

ok, gewonnen hat: liebesleben.
war jaaaaaaanz weit vorne.

also, was gibt es dazu zu sagen?
mein liebesleben.
ähm ja..
nicht vorhanden.

traurig, aber wahr.

ich bin deshalb auch tatsächlich recht häufig traurig.
in absoluten depri-phasen fühle ich mich komplett verlassen von der welt, einsam im alltagstrott vor mich hin wurstelnd, no-future und so…
es geht mir nicht in erster linie ums körperliche, sondern auch um austausch/kontakt/da-sein/ausheulen-können/gemeinsamkeiten/uswusf.
das fehlt.
ich fühle mich momentan in keinerlei hinsicht mehr als frau, nur noch als irgendeine art von mutter.
klaro, mami (so nennt er mich, wuuuah!) für den igel, bin ich nach wie vor gern.
beim arbeiten: zuhören, trösten, erklären, unterstützen, helfen…nicht direkt mütterlich, aber irgendwie dann doch wieder.

ich fühle mich attraktiv wie ein überquellender mülleimer, zugestopft mit scheiß, den keiner mehr haben will. stinkig.
niemand geht näher ran als unbedingt nötig.
reste der vergangenheit kleben an mir und wollen sich nicht lösen.

mit dem igel dinge zu erleben fetzt.
aber er ist halt erst drei.
ich tröste den igel gern, wirklich.
aber ich möchte auch mal getröstet werden.
ich koche und esse gern mit dem igel.
aber die konversationen sind doch häufig etwas bemüht.
ich habe wie immer große reisepläne.
aber allein mit kind traue ich mir die nicht zu und es wäre mir wohl auch zu langweilig.
ich hab tatsächlich noch viel vor im leben, dazu gehören nach wie vor kinder.
aber ja, alleine machen kann ich mir die nicht und alleine haben will ich sie auch nicht.

ich weiß auch das mit dem zuerst-sich-selbst-lieben und son kram….bla.
ich lieb mich aber nicht, punkt.
bleib ich jetzt für immer allein?

aussichtslos.

(und ja, ein bisschen hiervon ist auch teil des wintertief-posts.)