Sonntagssüß

Kurz nach sieben muss es sein, durch den Spalt im Vorhang fällt schummrige Helligkeit.
Das Baby neben mir wurschtelt rum, fummelt an meinem Tshirt, guckt mich im Dämmerlicht mit großen Knopfaugen an.
Ich kneife die Augen noch zu, in der Hoffnung, es würde vielleicht einfach wieder einschlafen.

Nach einer Weile dreht es sich zu seinem großen Bruder um.
Betrachtet ihn und fängt dann ganz langsam an das geliebte Gesicht zu befühlen.
Eine Hand streicht über die Wange, die andere kommt hinzu, zieht voller Zärtlichkeit an den hellblonden, mit Süßigkeiten verklebten Haarsträhnen.
Weiter tasten, schauen.
Die Finger wandern zum Hals, zu lange Nägel kneifen voller Lust zu fest zu.
Der große Bruder hat die Augen weiterhin geschlossen, bis gerade eben dachte ich, er würde noch schlafen.
Nun nimmt er die kneifenden Babyhände, platziert sie wieder auf seinen Wangen, umarmt das Baby, zieht es näher heran und lässt sich weiter befühlen.
Das Baby gurrt voller Wonne, streichelt, der vermutliche geöffnete Mund wird Richtung brüderliche Nase gehoben.
Ich sehe nur den kahlen Hinterkopf, das zufriedene Grinsen des Großen und genieße.

we proudly present…

ok, gewonnen hat: liebesleben.
war jaaaaaaanz weit vorne.

also, was gibt es dazu zu sagen?
mein liebesleben.
ähm ja..
nicht vorhanden.

traurig, aber wahr.

ich bin deshalb auch tatsächlich recht häufig traurig.
in absoluten depri-phasen fühle ich mich komplett verlassen von der welt, einsam im alltagstrott vor mich hin wurstelnd, no-future und so…
es geht mir nicht in erster linie ums körperliche, sondern auch um austausch/kontakt/da-sein/ausheulen-können/gemeinsamkeiten/uswusf.
das fehlt.
ich fühle mich momentan in keinerlei hinsicht mehr als frau, nur noch als irgendeine art von mutter.
klaro, mami (so nennt er mich, wuuuah!) für den igel, bin ich nach wie vor gern.
beim arbeiten: zuhören, trösten, erklären, unterstützen, helfen…nicht direkt mütterlich, aber irgendwie dann doch wieder.

ich fühle mich attraktiv wie ein überquellender mülleimer, zugestopft mit scheiß, den keiner mehr haben will. stinkig.
niemand geht näher ran als unbedingt nötig.
reste der vergangenheit kleben an mir und wollen sich nicht lösen.

mit dem igel dinge zu erleben fetzt.
aber er ist halt erst drei.
ich tröste den igel gern, wirklich.
aber ich möchte auch mal getröstet werden.
ich koche und esse gern mit dem igel.
aber die konversationen sind doch häufig etwas bemüht.
ich habe wie immer große reisepläne.
aber allein mit kind traue ich mir die nicht zu und es wäre mir wohl auch zu langweilig.
ich hab tatsächlich noch viel vor im leben, dazu gehören nach wie vor kinder.
aber ja, alleine machen kann ich mir die nicht und alleine haben will ich sie auch nicht.

ich weiß auch das mit dem zuerst-sich-selbst-lieben und son kram….bla.
ich lieb mich aber nicht, punkt.
bleib ich jetzt für immer allein?

aussichtslos.

(und ja, ein bisschen hiervon ist auch teil des wintertief-posts.)

mitten am/im scharmützel

am wochenende waren wir mit einem teil der familie in einem ferienhäuschen.
sehr, sehr hellhörig und absolut nicht kleinkindtauglich.

mein (24jähriges, studentenlebenlebendes) schwesterherz wurde daher sonntag morgen gegen 7.00uhr durch zwei zimmer mit dem ersten DREI-WORT-SATZ des igels geweckt.
„LIEBLINGSTANTE!?! BÄR FUNNE!!!!!“ (= chatall-inge, ich habe hier einen [unsagbar hässlichen] teddybären gefunden, möchtest du nicht jetzt sofort aufstehen und mit mir spielen?)

yes!
mist, dass wir schon letzte woche u7 hatten, sonst hätten wir damit sicher derbe angeben können.

yeah!

der geburtstagsmorgen war schon irgendwie besonders.
noch im bett liegend hat der igel sich sein lieblingslied gewüscht: „sssiie? nanu.“.
als liebende mutter habe ich das natürlich gefühlte 100mal gekrächzt, während er freudig lächelnd dazu die choreographie gefuchtelt hat.

dann bin ich schnell vorgeflitzt in die küche und hab versucht die kerzen anzuzünden, bevor er hinter her kommt.
naiv, ich weiß.
morgens direkt nachm aufstehen mit einem feuerzeug umgehen zu können, erfordert jahrelange raucher-oder robinson-crusoe-erfahrung.
der kleine/große kerl fands irgendwie spannend um die ecke schielen zu können, während die alte immer wieder versucht hat, das ganze mit ihrem breiten kreuz zu verdecken.
dank glücklich scheitern gibts hier seinen gabentisch zu sehen:
FxCam_1359210319169

die party später war unheimlich voll, 30-40leute, es gab massig zu essen, viele geschenke, der igel war schon nach 30min kaum noch aufnahmefähig.
schade, dass bei so einer masse an menschen natürlich immer kein platz für individuelles bleibt…
meine schwiegermutter hätte ich aber keine sekunde länger ertragen, die frau ist echt durch. hat das geburtstagskind pausenlos belagert, bedrängt, bespielt, gefüttert – abartig! (und so werd ich nie! ;P)
insgesamt kurz und heftig.

nächstes jahr teilen wir familie – freunde auf: die bucklige verwandtschaft kommt im januar, im sommer wird mit den kindern draußen gefeiert, da haben alle mehr davon.
es war toll und irgendwie auch sehr rührend zu sehen, wen der igel mit seinen zwei jahren so alles kennt und wer kam, um mit ihm zu feiern.
von herzen danke an alle beteiligten!

alles neu macht der januar

ein schönes wochenende im elbsandsteingebirge liegt hinter uns.
die gesamte großfamilie war da (20 leute von 1-75jahren), dem igel ist vor lauter spaß fast der arsch geplatzt, ich war mega-entspannt, wir waren wandern (4 (!) stunden den kerl aufm arm schleppen, weil er nicht in die manduca wollte und alle, die vorher groß getönt haben bzgl tragen-helfen auf einmal weg waren. nur noch die uroma + ich mitten zwischen den bergen…mir zittern immer noch die arme!), wurden bekocht, haben lange geschlafen, gequatscht, abgehangen, hühner+emus angeguckt,…tolle sache.

clan-leben wie von nicola vom artgerecht-projekt beschrieben par excellence, da alle auch noch irgendwie verwandt, irgendeiner hatte immer bock auf kinderbespaßung, verpflegung, der rest konnte dann einfach mal nichts machen.

umso unschöner das ankommen wieder hier: 4 wände, eine frau, ein kind, viel arbeit, wenig zeit, schnell schnell schnell. dicke luft zwischen herrn schinken und mir, nachm feierabend keinen bock auf irgendwas.
ein haus-wohn-projekt muss her!

stattdessen stelle ich mich am freitag bei einer hausverwaltung für ne 2-zimmer-wohnung vor.
20qm mehr als jetzt, 3 straßen von der praxis entfernt, 10min mitm fahrrad zur kita (die jetzt auch bald anfängt), viel grüner, ruhiger…und luxuriöser.
vorbei sind dann die zeiten, als ich ungeschminkt mit kleckerhose aufm spielplatz rumgammeln konnte, denn hinter jeder ecke könnte die luxusmuddi lauern, die ich gerade betreue.
zur nächsten party fährt dann nur im 20min-takt die straßenbahn, nachts am wochenende gar nicht.
(aber hey, für einmal im monat maximal ist das auch tolerierbar.)
so richtig überzeugt bin ich nicht.
wegziehen kann ich ja aber immer noch.

so ein bisschen hoffe ich also, dass die mich dann doch nicht wollen.
trotz abgezogener dielen und stuck.

back to life, back to reality…

…war ich die letzten wochen.
es gab einfach wahnsinnig viel zu tun in der wirklichen welt, ich bin gekreist und war dem zusammenbruch mehr als einmal täglich sehr nah.

umso ruhiger wird es jetzt werden, denn es hat sich etwas grundlegendes verändert (ja, ihr ahnt es alle schon):
ich bin jetzt alleinerziehend.
und herr schinken natürlich auch.

der anfängliche schock hat sich bereits jetzt etwas gelegt und ist einer verloren geglaubten energie und ich-organisier-mein-leben-wieder-neu-lust gewichen.
fühlt sich immer noch ziemlich leer an, aber irgendwie auch aufregend.
der blog wird sicher auch wieder etwas liebevoller gehegt und gepflegt werden, denn ich verbringe die abende ja nun allein (ja, mit dem schlafenden igel im hintergrund, aber der fordert mich dann nicht ganz so sehr).

schade ists trotzdem.
um viel leben zusammen.
das kind.
mein grünes paradies (letzte woche hab ich noch hektisch gepflanzt und kartoffeln in die erde gebracht).
uns als familie.

naja, so ganz realisiert hab ichs dann glaub ich doch noch nicht, denn wir sind ja im laufe der jahre quasi zu trennungs-routiniers geworden und irgendwie – stirbt die hoffnung immer zuletzt.

göschönkö

…ja, es rückt immer näher!

mit einem teil meiner familie (dem mir persönlich am liebsten btw) habe ich mal wieder vereinbart, dass wir uns nichts schenken.
der andere teil (der auch millionen-mal schwerer zu beschenken ist) sieht das leider etwas konservativer.

eigtl bastel/backe/produziere ich jedes jahr etwas, dass macht mir spaß, ist eigtl nie kostengünstig, aber frau hat was in der hand.
dieses jahr wird das alles etwas straffer organisiert werden müssen, keine zeit für tagelange bastel-aktionen.
daher meine frage: was schenkt ihr so selbstgemachtes?
soll schnell gehen, billig sein und natürlich phänomenal aussehen/schmecken/..

für ideen bin ich sehr dankbar!

für den igel hab ich immerhin ne idee: ein lebensgroßer (igel-größe) bummi-bär!
das ist nämlich SEIN lied, kann er in endlosschleife hören, trocknet alle tränen, regt zum frenetischen kreischen und ekstatischen ruckeln (tanzen?) an.
naja, muss ich halt „nur noch“ nähen…