Vorstoß aus dem Hinterland

Meine Kinder sind weiß.
Unsere gesamte Familie ist weiß, wenn auch nicht komplett deutsch.
Alle Kinder in der Kita sind weiß, unser gesamtes soziales Umfeld ist weiß.
Ich habe tatsächlich keine einzigen Freund*innen mit nicht weißer Hautfarbe.
In unserem Bezirk sind Menschen mit nicht weißer Hautfarbe die absolute Minderheit. Ebenso war es in den Bezirken in denen ich aufgewachsen bin.

Und ich finde das nicht nur schade, sondern auch schlimm.
(Wobei das für mich schon wieder ziemlich rassistisch klingt. Ich kann es momentan jedoch nicht besser ausdrücken.)
Ich möchte, dass meine Kinder Diversität nicht nur aus Büchern kennen lernen, sondern sie Teil ihres Alltags wird. Weil ich das wichtig finde gegen die Mauern im Kopf, die da auch bei mir manchmal noch einzureißen sind. Die mir vermutlich zum großen Teil nicht mal bewusst sind, eben weil mein Alltag so Toastbrotlastig ist. (Maximal Vollkorn und das auch nur ab und zu.)

Wie ist das bei euch?
Ideen? Meinungen?
Umziehen Richtung Innenstadt möchte ich nicht, das wäre jedoch meine einzige Idee zu dem Thema.

(Auf der Suche nach Ideen habe ich das hier gefunden: Embrace race)

Ich habe nicht weiter gemacht

Heute erscheint ein Beitrag von mir im umstandslos Magazin, welches diese Ausgabe das Thema „Weitermachen“ hat.
Im Zuge dessen noch ein Text von mir zum Nicht-Weitermachen, was nicht zwangsläufig „Aufhören“ bedeutet.

Ich gebe nicht leichtfertig auf, sowohl beruflich als auch privat habe ich mich durch einige Beziehungen und Tätigkeiten gequält. Mehr oder minder tapfer durchhalten, das Positive suchen, ein (mein?) Ziel im Auge behalten.

Aber einmal habe ich mich gegen das Weitermachen entschieden.

Und das war so:

November 2013.

Ich war mit meinem damals fast 3-jährigen Kind in einer Ferienwohnung an der Ostsee, unseren Sommerurlaub nachholen.

Der fand nämlich nicht statt, weil ich gearbeitet hatte, im Sommer war immer besonders viel zu tun, da gab es auch keine freien Wochenenden.

Aber diese eine Woche Urlaub hatte ich mir frei gehalten. Außerhalb der Saison sind Unterkünfte eh günstiger, sagte ich mir.

Ich wollte mich erholen, abschalten, den Kopf frei bekommen.

Nur für das Kind da sein, ohne aufs Telefon zu schielen und nebenbei Beratungen durchzuführen.

Auf meinem Telefon trudelten ständig Nachrichten ein, von Klientinnen, Kolleginnen. Vergessene Telefonnummern, Kursanfragen, Milchstau.

Und ich?

Ich hatte wahnsinnig schlechte Laune, war einfach müde, unfassbar müde. Vom Kind genervt schleppte ich mich durch den Tag, versuchte die Arbeits-Nachrichten zu ignorieren und ärgerte mich trotzdem über sie.

Ausgebrannt fühlte ich mich, nach gerade mal drei Jahren Freiberuflichkeit.

In meinem Kopf rumorte es: Scheiße, du bist gerade mal 28 und fühlst dich, als stündest du kurz vorm Burnout. Dein Kind jonglierst du zwischen Kita, Vater und Großeltern, damit auch die Wochenende abgedeckt sind. Das ist doch lächerlich.

Ich kaufte mir ein Notizbuch, schrieb auf die erste Seite „Anne wird organisiert“ und stellte eine Bucketlist für mein Leben zusammen.

Während ich mit dem Kind durch Matschpfützen rutschte, sich Kletten an unseren Hosenbeinen sammelten und ich mir warmen, feuchten Kuh-Atem ins Gesicht pusten ließ, reifte der Entschluss – ich höre auf.

Die Aussicht darauf in wenigen Tagen wieder die Sorgen und Nöte anderer Menschen verständnisvoll begleiten zu müssen stresste mich. Ich war über alle Maßen genervt, bei jedem hervorgebrachten Problem rollte ich innerlich die Augen, wusste nach 5 Stunden Arbeit nicht mehr, wem was ich schon erzählt hatte und wem was noch nicht.

Mit 20, nach meinem Freiwilligen Sozialen Jahr hatte mich zwar ein Studiengang in Brandenburg interessant, doch hatte ich diese Idee bald wieder verworfen. Finanziell zu unsicher, zu weit weg von der Stadt erschien es mir.

Mit 28, allein mit Kind und eigener Wohnung wollte ich es nun aber wagen.

Ich hatte die Angst verloren, vor dem Ungewissen, vor meinem eigenen Mut.

Es ging natürlich nicht sofort, aber direkt nach dem Urlaub teilte ich meinen Kolleginnen die getroffene Entscheidung mit, suchte Bewerbungsunterlagen zusammen, schaute nach Alternativen.

9 Monate später hielt ich die Zusage in den Händen, einen Monat später hörte ich auf zu arbeiten, saß zwei Wochen später mit wackligen Knien das erste Mal im Hörsaal.
Dieses eine Mal Aufhören statt Weitermachen habe ich bisher keine Sekunde bereut.

Nicht, als das Bafög 10 Monate auf sich warten ließ. Auch nicht, als ich die Hälfte aller Prüfungen geschoben habe (so ziemlich jedes Semester), da ich das Lernpensum nicht bewältigte, weil es auf dem Spielplatz einfach zu laut war.

Ich hatte mehr Zeit für mein Kind, für mich. Abends den Kopf frei, konnte mein Handy Zuhause vergessen und trotzdem ausgiebig im See planschen.
Ob ich das Studium jemals abschließen werde, weiß ich nicht.

Die Aussicht auf einen Job ist mau, bis dahin liegen noch viele unangenehme Prüfungen vor mir.

In meiner neugewonnen Freiheit hatte ich Zeit, „einen“ (ptahaha) neuen Mann kennen zu lernen. Wir haben ein Baby bekommen. Ich war seit einem Jahr nicht mehr in der Uni, meine Kommiliton*innen bereiten derzeit ihre Bachelorarbeit vor, ich habe seit drei Tagen nicht mehr geduscht.
Was ich sagen will?

Nicht immer sieht Weitermachen so aus wie Weitermachen. Manchmal lohnt sich ein Perspektivwechsel um etwaige Richtungsänderungen in Betracht ziehen zu können.
Das mag etwas pathetisch klingen, aber: tief drinnen in mir habe ich die Gewissheit, dass es immer irgendwie weiter gehen wird, bis zum letzten Atemzug. Das sämtliche Bedrängnisse und Nöte nur temporär sind, ich es wagen kann, sie ändern zu wollen und das Leben dann einfach passiert.

In meiner wilden Punkrock-Zeit stand mit Chlorix auf meinem Shirt: Das Schicksal mischt die Karten und wir spielen.

The Holy Green Smoothie Grail und ich

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So, nun isses mal wieder soweit.
Mein Ernährungstagebuch verlässt seine staubige Schrankecke, der Mixer steigt von seinem Thron auf dem Kühlschrank herab und die heilige Mutter Waage wird wieder täglich zu Rate gezogen.
Ich hab zugenommen.
Wahnsinnige vier Kilo in zwei Monaten.
Wäre ich schwanger, wäre das ideal.
So isses nun einfach scheiße.

Schuld daran sind xyz und abc.
Ich hab viel Scheiß in mich reingestopft (kein Geld zum Einkaufen führt manchmal dazu, dass alte Kekse ein vollwertiges Abendbrot darstellen sollen), mit dem neuen Mann an meiner Seite (bzw auf dem Skype-Bildschirm) so getan, als wäre ich vööööllig normal (‚Nach 18.00 Uhr noch essen? – Klaro, kein Problem.‘ ‚Mit dem Kind Eis essen gehen und ich ess auch eins? – Mach ich doch immer so.‘) und irgendwie die Kurve nicht mehr gekriegt.
Passiert.
Zumindest mir immer mal.

Außerdem hab ich seit Studiumsbeginn (Heute, vor genau einem Jahr. Ja, ich sitz jetzt grad Zuhause. Ja, ich find das völlig okay. ) begonnen wieder literweise Kaffee in mich reinzuschütten und hab das in den Semesterferien leider, leider auf Frappé umgestellt.

Ich fühl mich schlapp und unfit, meinem Spiegelbild würde ich am liebsten ins Gesicht spucken und so einige Klamotten kneifen und spannen an allen Ecken und Enden.

Zeit, das sich was dreht.

Und ihr müsst jetzt hier und auf Instagramm für ne Weile ein paar ‚Ach, was ernähr ich mich heute wieder gesund‘-Bilder aushalten.
Verzeiht es mir.

Raus.

Das hätte ich mir ja auch nicht träumen lassen.
Da steh ich morgens 7.00 Uhr vorm Kleiderschrank (bereits fertig abgefrühstückt und geduscht), werfe Klamotten auf einen stetig wachsenden Haufen und esse mit etwas halbherziger Begeisterung Erdbeerkuchen aus Knete, während der Ein-Meter-kleine Kellner schon wieder die nächste Bestellung aufnimmt.
Und ich finds gar nicht so schlimm.
Also ja, bisschen grummelig bin ich schon, aber hey, ich bin seit meiner frühen Kindheit an als konsequenter Morgenmuffel bekannt und gefürchtet.

Aber jetzt bin ich im Wahn.
Aufräumen, Entrümpeln, Ausmisten.

Habe ich schon die letzten Monate immer mal beschaulich hier und dort was weggeschmissen und aus-/umsortiert, hat mich jetzt ein Buch völlig mitgerissen: „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“ von Karen Kingston.
Ich bin zwar alte Eso-Tante (klaro, als Hebamme, mit Räucherstäbchen, Klangschalen und so), mit Feng Shui hab ich allerdings nichts am Hut.
Macht nix, darum geht es in dem Buch auch gar nicht.
Es steht seit Jahren in meinem Bücherregal, hat eventuell auch schon ein paar Umzüge mitgemacht, so genau weiß ich das gar nicht.
Warum ich es nun gerade in die Hand genommen hab – bestimmt Schicksal, von wem auch immer herbeigezaubert.
Eventuell ziehe ich bald um, vielleicht auch nicht. Bisher habe ich mich nicht getraut, aus Angst vor (unter anderem) einem monströsen Umzug.
Ich habe Semesterferien und das erste Mal seit Jahren wieder einfach Zeit zum Zuhause sein (Im Klartext: momentan kein Geld für Urlaub.).
Ein neuer Mensch ist in mein Leben getreten, auch das setzt spürbar Energie frei.

Auf jeden Fall möchte ich nicht mehr mit so viel Gepäck durchs Lebens gehen.
Die Wortmutter, deren Blog gerade aus monetären Gründen gesperrt ist, hat mich auf das Buch „Magic Cleaning“ von Marie Kondo aufmerksam gemacht. Das Buch selbst habe ich mir noch nicht besorgt (siehe oben, kein Geld und so), aber wild im Internet dazu herum gelesen, was auch schon Inspiration genug war.
(Es gibt dazu Listen. Zum Abhaken. In bunt. Ein Traum für Listen-Fans wie mich.)
Und so wühle ich mich durch angehäufte vermeintliche Schätze, nehme sie in die Hand und prüfe, ob mein Herz zu ihnen spricht. Oder sie zu meinem Herzen? Irgendwie sowas.

So, das Knet-Eis wird gleich serviert und die 120-Liter-Schwerlast-Säcke (Der Mann vom DRK hat gesagt, ich darf nichts anderes nehmen!) rascheln nach mir.
Fotos folgen.
Stay tuned.
Seid ihr auch alle so aufgeregt wie ich?

Mein Nervenkostüm

Bereits vergangene Woche gab es eine hitzige Diskussion mit zwei Kommilitoninnen, warum ich denn (mit Kind) nicht noch 17.30 spontan an den See fahren möchte. Das sei doch gar nicht anstrengend. Ich muss doch nur am Wasser liegen und nichts tun. Und wir fahren auch ganz früh wieder zurück. Das Kind sei doch auch so unkompliziert und würde alles einfach mitmachen.

Alle mitlesenden Eltern finden sicher die Fehler.

Ganz ehrlich: mit Kind ist alles anstrengend.
Sauschön und sauanstrengend.
Um es nicht für andere anstrengend zu machen, lege ich mich mächtig ins Zeug. Es wird Beschäftigungsmaterial eingepackt, außerdem verschiedenste Snacks und Getränke. Dazu ein geduldiges Dauerlächeln aufgesetzt um die Stimmung nur ja nicht kippen zu lassen und dann mit kreischendem 4jährigen heulend nach Hause zu fahren, weil der eigene Akku einfach völlig leergesaugt ist und sich der Kopf nur nach 15min Nichts sehnt.
Wie der kommende Tag nach so einem Ausflug aussieht, können sich wohl die meisten denken. Schön auf jeden Fall nicht.
Das ist von außen vielleicht alles nicht so ersichtlich und so stand ich als ganz schön langweilige Spielverderberin da, als ich den See-Ausflug boykottierte. (Die 30minütige „Du willst doch auch zum See, oder? Schön baden mit uns und so? Komm, sag mal Mama, dass du auch an See willst!“-Arie dem Kind gegenüber hat meine Laune nicht gerade verbessert. Danke dafür.)

Eine der Kommilitoninnen hat uns nun morgen zu ihrem Geburtstag eingeladen und es ist ihr ganz, ganz wichtig, dass wir auch kommen.
Sie fahren gegen Abend zur Ostsee, feiern dann am Strand rein, übernachten in einem WG-Zimmer und wollen den nächsten Tag dann noch nach Rügen und abends wieder zurück.
Wäre wirklich, wirklich schön, wenn wir auch dabei sein würden.
Echt jetzt.
Soooo anstrengend wird das schon nicht.

Ha.
Ja.
Klingt fantastisch.
Aber ihr wisst doch: ich bin ne elende Langweilerin und gönne weder mir noch meinem Kind irgendwelchen Spaß.

(Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich nach den Prüfungen nicht noch mit saufen gekommen, sondern so schnell wie möglich zum Bahnhof geradelt bin. Weil ich *gääääääähn* mal wieder (!) pünktlich in der Kita sein wollte. Echt ey. Saftsäckin, ich elende.)

Körperwelten. Jetzt mit Haut drüber. In echt.

Ein eeeewiges Thema.
Das hier find ich ziemlich beeindruckend.
Und ich frage mich, woran die Unterschiede wohl liegen mögen..?

Ich kann mich nicht erinnern, jemals (Großes Wort. Sagen wir einfach ab der Pubertät.) ein positives Bild von meinem Körper gehabt zu haben.
Ich fand mich immer zu fett.
Wurde zwar nur „die Dicke“ genannt, aber in meinen Augen war ich unsäglich fett.
Das finde ich auch jetzt noch häufig, obwohl ich etliche Kilo leichter bin.
Mein morgendlicher Gang auf die Waage bestimmt so gewaltig meine Laune für den Tag, dass es mehr als gruselig ist. (Schon der morgendliche Gang ist nicht immer drin. Wenn ich den Tag/die Tage davor „böse“ gegessen habe, fällt der aus. Weil ich mich nicht traue und Angst vor den Zahlen habe.)
Wieviele Diäten ich in meinem Leben begonnen/durchgezogen habe, kann ich beim besten Willen nicht sagen.
Soviel ist klar: mein Stoffwechsel ist im Arsch.
„Normal“ essen ist nicht.
Am liebsten hätte ich eine Sonde, die mich ernährt, dann müsste ich mir keine Gedanken mehr machen.
Kein Einteilen mehr in „gut“, „geht so“ und „böse“.
An schlimmen Tagen habe ich das Gfeühl gar nichts essen zu können, weil alles böse ist, mit Fett, Kohlenhydraten, mehr Kalorien als ein halbes Glas Wasser.
Meine bloße (abartige) Existenz war mir etliche Jahre peinlich, schon Einkaufen hat mich puterrot werden lassen, weil ich andere Menschen mit mir und meinem Körper konfrontiert habe. (Nein, ich war nie nackt einkaufen.)
Auch jetzt schäme ich mich manchmal noch für mein Da-sein.
Aber es ist selten geworden.
Mein Körper war nie mein Feind, er war abstrakt, abgespalten, nicht zurechnungsfähig, fremd.
Dementsprechend verzerrt war und ist mein Selbstbild.
Ich muss mich an Zahlen lang hangeln, seien es sichtbar gewordene Kilos auf der Waage, durchgehaltene Diät-Tage oder die Anzahl der über den Tag verspeisten Mahlzeiten (geteilt durch die guten/bösen Lebensmittel) um einschätzen zu können, wie er wohl eventuell aussehen könnte.
Auch das ist relativ.
Die Arme sind immer zu Fledermausartig, der Bauch zu rollig, die Oberschenkel zu breit, der Hintern zu hängend.
Egal, was die Waage sagt.
Während einer Therapie sollte ich ein paar Mal skizzieren, was mir an meinem Körper gut gefällt.
Meine Füße fand ich gut.
Der Rest (Augenbrauen, Handgelenke) war gelogen, um nicht ganz so erbärmlich zu wirken.
Inzwischen mag ich meine Handgelenke aber wirklich.
Meistens jedenfalls.
Leider sind meine Finger zu fett.
Passen damit dann wenigstens zum Rest des Körpers.

Und nun?
Tatsächlich habe ich trotzdem momentan das beste Körpergefühl meines Lebens.
Einerseits sind die Zahlen recht gnädig, andererseits gibt mir ein Kind auch ein wenig eine Ausrede für meinen Schwabbelbauch und die Hängebrüste. (Blablabla, tut es nicht und sonstwas fürn Arsch. Für mich tut es das.)
Und nun kommt das irrste: ich habe tatsächlich die ersten Male im Leben gesagt bekommen, dass ich schön bin, mein Körper begehrenswert ist (ich wähle mal ein alltagstaugliches Wort), sich gut anfühlt.
Was das für einen riesen Unterschied macht, hätte ich nie gedacht.
Danke dafür, von ganzem Herzen, auch, wenns vielleicht gelogen war.
Nicht danke an meine Familie, die mir so etwas nie gesagt hat, mich eher mit Diät-Tipps, mahnenden oder „witzigen“ Sprüchen versorgt hat und es immer noch tut.

Was ich damit sagen will?
Keine Ahnung.
Wird die Sucht nach diesem Hochgefühl des Hungerns jemals wieder verschwinden?
Unwahrscheinlich.
Körperlichkeit ist nicht einfach.
Zumindest nicht für mich.
Ich bin in diesem Zusammenhang saufroh, einen Sohn zu haben, bei einer Tochter hätte ich viel mehr Angst ihr Körperbild unabsichtlich zu verkacken.
Ihm sage ich so oft es geht, wie unglaublich schön er ist.
Aus vollem Herzen.

(Und wer jetzt mit Diät-/Sporttipps kommen will: bitte Maul halten. Ernsthaft.)

 

 

Hier noch ein Text der Mädchenmannschaft zum Thema.

Aus gegebenem Anlass…

Eine Rückschau meiner 30-before-30-Liste.

Zuerst: was hatte ich Schiss, Bauchgrummeln, Angst eine Höllenpanik vor diesem Event. Die meisten meiner Geburtstage verliefen eher deprimierend (Echt jetzt. Mit Heulen und so. Fast jedes Jahr.) und nun so eine große, gewaltige Zahl, vor der ich mich bereits mit 15 gefürchtet habe..
Aber, was soll ich sagen: es war super.
Verreist mit einer Freundin ins Venedig des Nordens, hatte ich an genau dem Abend ein sehr entspanntes, nettes Date und konnte so quasi zwischen den pittoresken Häusern der Stockholmer Altstadt in die 30 reinknutschen.
Mach ich jetzt jedes Jahr so.
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Alla hopp, los gehts:

#1 eine neue fremdsprache lernen (zb schwedisch)
–> Hab ich nicht. 
Dafür mein Englisch dank Tinder aufgepimpt.
Kann ich mit leben. 😉

#2 ein großes erdbeerbeet anlegen
–> Nope. Schade.

#3 vier fortbildungen machen
–> Mehr als erledigt.

#4 mich gesünder ernähren
–> Naja, phasenweise..aber im Großen und Ganzen stimmt das schon.

#5 eine tattowierung für den igel machen
–> Nope. Kann aber noch warten.

#6 mindestens 3 monate vegan leben
–> 2 Jahre jetzt, yeah!

#7 arbeiten gehen
–> Been there, done that, war kacke.
Jetzt mach ich was besseres.

#8 mehr ordnung halten
–> Wurde sogar schon mehrmals lobend von meiner Mutter erwähnt.

#9 cupcakes backen
–> Hab ich gemacht. War jetzt nicht so erfüllend.
(Wie hat es dieser Punkt jemals in meine Liste geschafft???)

#10 umziehen
–> Meeeeeh….schlechtes Thema.

#11 mehr basteln
–> Hm, definiere „mehr“. Keine Ahnung ehrlich gesagt. Aber wäre mir jetzt auch nicht mehr so wichtig..

#12 weniger konsumieren
–> Naja, ich arbeite dran. Wenig Geld zu haben hilft da irgendwie.

#13 bewusster konsumieren
–> Mach ich. Meistens.

#14 ein zweites kind bekommen
–> Gaaaaaanz, ganz schlechtes Thema. Das nagt an mir. Mächtig gewaltig.

#15 eine spieluhr für den igel nähen
–> Joa, guckt er mitm Arsch nicht an.

#16 eine näh-ecke bauen
–> Hatte ich. Hab sie vor zwei Monaten wieder abgebaut, da Staubfänger und Platz-Wegnehmer.

#17 meinen bastel-kram ordnen
–> Pffffff…eher nicht so.

#18 studieren
–> Check.

#19 herrn schinken eine gehorsame gattin sein
–> Haha, ja, ähm nein.
Ich bin wohl eher die ewig meckernde Stimme im Hintergrund geworden.
Passt.

#20 geduldiger werden
–> Hmmm…phasenweise. Je nach aktueller Grundstimmung. Momentan bin ich ganz gut.

#21 europa (zumindest kurz) verlassen
–> Nope. Vermutlich aber dann diesen Sommer.
Wo wir gerade dabei sind: kann mir jemand Geld schenken? So 1000€ würden schon reichen.

#22 einen neuen vater für meine 10 kinder finden
–>…(Ich arbeite dran. Wie verrückt.)

#23 eine neue fertigkeit erlernen (zb spinnen, weben, seife machen,..)
–> Waschmittel selber machen. Nicht sehr kunstfertig, aber hey.
Außerdem glutenfrei Backen (wüäh), kochen, leben.

#24 weniger besitzen
–> Nee, das hat ganz sicher nicht geklappt.

#25 3 monate auszeit machen und reisen
–> Nope. Weiter recht akut auf der Liste.

#26 eine puppe für den igel nähen
–> Nope. Auch momentan nicht sonderlich präsent, da er mit seinen Puppen kaum spielt.

#27 im sommer mit dem igel einfach mal losfahren
–> Erledigt.
Mehr als ein Mal.
Anstrengend, aber sauschön.

#28 disziplinierter ämterkram erledigen
–> Hahahahaha.
Was war ich da naiv!

#29 …
–> Genau das.

Und nun? 40 before 40?
Das halte ich dann doch für etwas zu weit geplant…
Trotzdem gibts bestimmt nochmal eine wanna-do-Liste.

selbstbestimmt

4 tage ohne kind.
das war lang.
und irgendwie auch interessant: gefühlte 10 jahre ist es her, dass ich nur mich und die arbeit hatte.
morgens aufstehen, duschen, essen, zeug zusammensuchen, arbeiten, nach hause kommen, essen, irgendwas in der wohnung tun, schlafen.
ich bin tatsächlich sehr erholt, die wohnung sieht tiptop aus und ich habe einiges geschafft. (dummerweise nicht wirklich viel, da ich wetterbedingt jeden abend kopfschmerzen hatte und spätestens 21.30uhr im bett lag.)

auch emotional ist son leben ohne kind ja irgendwie ausgeglichener, kein rummeckern, angst haben, warten, antreiben, ausflippen, aufpassen, …
alles passiert im eigenen rhythmus, ich esse, wenn ich hunger habe, kann vorher ganz in ruhe etwas zubereiten. gehe ins bett, wenn ich müde bin, stehe auf und kann direkt einfach auf toilette gehen, ohne diskussionen darüber zu führen.
wenn ich länger arbeiten muss – who cares? einfach nochn hausbesuch dranhängen, ganz locker, kein problem.
grandios wäre es gewesen, hätte ich auch mal einen tag frei gehabt oder zumindest nicht soviel gearbeitet.
das wär was gewesen, einfach nur rumtrudeln, whoey!
nunja, das kommt wieder.
so in 10-15jahren.

aber (ihr habts alle geahnt, es muss jetzt einfach kommen, schließlich ist dies ein mama-blog!):
ich kanns kaum erwarten den kerl morgen wieder in die arme zu schließen und mir nen fetten knutscher abzuholen.
und ihn dann unter bitten, betteln, schimpfen, verzweifeln ins auto locken, auf der heimfahrt kinder-cds in endlosschleife hören und wahlweise getränke/snacks/??? nach hinten reichen (fahrtzeit circa 5 minuten), ein nass-klebrig-verkrümeltes kind notdürftig per taschentuch-und-spucke-methode reinigen, da es so keine sekunde länger existieren kann, beim überqueren der straße diskussionen zu führen, ob er denn einfach alleine rüber rennen darf, an der haustür meine fast-platzende blase ignorieren, während das kind noch steinchen sammelt, 15kg die treppen hochzuschleppen, mit zusammengekniffenen beinen warten, bis der kerl den versuch die tür alleine aufzuschließen dann doch aufgibt, aufs klo zu stürzen und dann gaaaaaaaaanz entspannt pinkeln, während das kind kreischend vor mir steht, weil es doch bitte zuerst ausgezogen werden wollte.
hachja. 🙂

we proudly present…

ok, gewonnen hat: liebesleben.
war jaaaaaaanz weit vorne.

also, was gibt es dazu zu sagen?
mein liebesleben.
ähm ja..
nicht vorhanden.

traurig, aber wahr.

ich bin deshalb auch tatsächlich recht häufig traurig.
in absoluten depri-phasen fühle ich mich komplett verlassen von der welt, einsam im alltagstrott vor mich hin wurstelnd, no-future und so…
es geht mir nicht in erster linie ums körperliche, sondern auch um austausch/kontakt/da-sein/ausheulen-können/gemeinsamkeiten/uswusf.
das fehlt.
ich fühle mich momentan in keinerlei hinsicht mehr als frau, nur noch als irgendeine art von mutter.
klaro, mami (so nennt er mich, wuuuah!) für den igel, bin ich nach wie vor gern.
beim arbeiten: zuhören, trösten, erklären, unterstützen, helfen…nicht direkt mütterlich, aber irgendwie dann doch wieder.

ich fühle mich attraktiv wie ein überquellender mülleimer, zugestopft mit scheiß, den keiner mehr haben will. stinkig.
niemand geht näher ran als unbedingt nötig.
reste der vergangenheit kleben an mir und wollen sich nicht lösen.

mit dem igel dinge zu erleben fetzt.
aber er ist halt erst drei.
ich tröste den igel gern, wirklich.
aber ich möchte auch mal getröstet werden.
ich koche und esse gern mit dem igel.
aber die konversationen sind doch häufig etwas bemüht.
ich habe wie immer große reisepläne.
aber allein mit kind traue ich mir die nicht zu und es wäre mir wohl auch zu langweilig.
ich hab tatsächlich noch viel vor im leben, dazu gehören nach wie vor kinder.
aber ja, alleine machen kann ich mir die nicht und alleine haben will ich sie auch nicht.

ich weiß auch das mit dem zuerst-sich-selbst-lieben und son kram….bla.
ich lieb mich aber nicht, punkt.
bleib ich jetzt für immer allein?

aussichtslos.

(und ja, ein bisschen hiervon ist auch teil des wintertief-posts.)

big, big love

yep.
i’m in love.

with these guys:

sämtliche studienpläne sind vorerst auf eis gelegt, ich packe grad koffer für kanada.
dann das kind schnappen und der älteste groupie der welt werden.
wünscht mir glück!

in der realen welt verlebe ich momentan die ersten 50 stunden (!) ohne igel.
50 1/2h, wenn sie sich verspäten.
der kerl verbringt weihnachten nämlich bei der väterlichen familie.
das abendliche telefonat vorhin endete in tränen, beiderseits.
geplant war das nicht, also wo er weihnachten verbringt schon, aber die nacht davor sollte er eigentlich ganz normal bei mir schlafen.
da ich nun mal wieder mit meinem stresspegel weit überm limit bin, jede nacht 2-4h wach liege, morgens dann trotzdem 1-2h vor dem friedlich schnorchelnden kind aufwache und tagsüber durch gefühlte dauer-krankes-kind-bespaßung nichts auf die reihe bekommen habe, war dieser zusätzliche freie abend bitter nötig.
zum basteln (ich haaaasse es!), papierkram erledigen.
gebastelt habe ich, um den papierkram drücke ich mich wie üblich.
ich brauch nen arschtreter, sonst mach ich echt nix.
bleibt nur die flucht nach kanada.

während meiner nächtlichen wachphasen habe ich nicht nur mental unzählige blogeinträge verfasst, die wohnung umgeräumt, die tage umstrukturiert, mein leben neu sortiert, sondern auch lange hin – und her überlegt, diese lange mutter-kind-abstinenz direkt zum abstillen zu benutzen.
es ist nämlich so, dass ich echt keinen bock mehr habe.
der igel ist natürlich nach wie vor großer fan.
aber ich bin müde. so müde.
jede nacht 3-4mal von „dutzeln mama, schmatz schmatz“ geweckt werden – uarghs. (wenns gut läuft, in schlechten nächten selbstverständlich wesentlich häufiger.)
besonders unschön, wenn frau danach partout nicht mehr einschlafen kann.
auch die tatsache, dass ich inzwischen nach dem mittagseinschlafstillen nicht mehr aufstehen kann, sondern der kerl die gesamte zeit meine brust im mund haben muss, nervt. gewaltig.
beim papa schläft er durch.
woanders legt er sich mittags hin, pennt nachn paar minuten und muss nach 1,5-2h geweckt werden.

letztendlich kneif ich mal wieder.
wie immer im leben: den weg des geringsten widerstandes wählen.
außerdem fand ich dann heute beim morgendlichen dutzeln die vorstellung doch abstrus, dass dies das letzte mal sein sollte.

so, jetzt klick ich mich noch mal ganz kurz ne runde durch facebook, dann kommt der papierkram.
ganz bestimmt.

euch allen da draußen friedliche, entspannte feiertage mit lieben menschen um euch herum und kommt gut ins neue jahr!