Vorstoß aus dem Hinterland

Meine Kinder sind weiß.
Unsere gesamte Familie ist weiß, wenn auch nicht komplett deutsch.
Alle Kinder in der Kita sind weiß, unser gesamtes soziales Umfeld ist weiß.
Ich habe tatsächlich keine einzigen Freund*innen mit nicht weißer Hautfarbe.
In unserem Bezirk sind Menschen mit nicht weißer Hautfarbe die absolute Minderheit. Ebenso war es in den Bezirken in denen ich aufgewachsen bin.

Und ich finde das nicht nur schade, sondern auch schlimm.
(Wobei das für mich schon wieder ziemlich rassistisch klingt. Ich kann es momentan jedoch nicht besser ausdrücken.)
Ich möchte, dass meine Kinder Diversität nicht nur aus Büchern kennen lernen, sondern sie Teil ihres Alltags wird. Weil ich das wichtig finde gegen die Mauern im Kopf, die da auch bei mir manchmal noch einzureißen sind. Die mir vermutlich zum großen Teil nicht mal bewusst sind, eben weil mein Alltag so Toastbrotlastig ist. (Maximal Vollkorn und das auch nur ab und zu.)

Wie ist das bei euch?
Ideen? Meinungen?
Umziehen Richtung Innenstadt möchte ich nicht, das wäre jedoch meine einzige Idee zu dem Thema.

(Auf der Suche nach Ideen habe ich das hier gefunden: Embrace race)

Testen. Oder auch: Unsere Verwahrlosung

2.24Uhr.
Alle schlafen, endlich.
Bis vor 10 Minuten war das große Kind noch wach, hockte vorm Tablet.
Wir Eltern und das Baby sind schon längst schlafen gegangen, ich bin eher aus Versehen eingeschlafen (konnte mich dem Sog nicht entziehen) und habe dem großen Kind daher nicht Bescheid gesagt, dass ich den Tag jetzt ganz offiziell beende.
Irgendwann stand es dann vor mir, es hatte noch Hunger. Ich erinnere mich dunkel an „Kühlschrank….Joghurt“. Später stand es wieder da, ich solle etwas kochen.
Anschließend verzweifeltes Weinen vor der Schlafzimmertür, weil der Hunger so stark sei, zudem wäre ihm langweilig und – der Klassiker – es sei einfach nicht müde. Die Uhr vorm Park draußen zeigte 1.45 Uhr.

Taumelnd wanke ich mit ihm ins Kinderzimmer, bespreche Lautstärke vs. Schlaf anderer, sowie meine akute Kochunlust.
Noch mehr Tränen, mehr Empörung.
Einen Joghurt später frage ich, ob es nicht doch mit ins Bett kommen möchte.
Kurz darauf kuschelt sich der lange Kerl an mich, freut sich über die Wärme und sagt: „Danke Mami, dass du mich ins Bett gebracht hast.“

Wieder was gelernt.
Wir beide.

Und nun gehabt euch wohl.

Mein Nervenkostüm

Bereits vergangene Woche gab es eine hitzige Diskussion mit zwei Kommilitoninnen, warum ich denn (mit Kind) nicht noch 17.30 spontan an den See fahren möchte. Das sei doch gar nicht anstrengend. Ich muss doch nur am Wasser liegen und nichts tun. Und wir fahren auch ganz früh wieder zurück. Das Kind sei doch auch so unkompliziert und würde alles einfach mitmachen.

Alle mitlesenden Eltern finden sicher die Fehler.

Ganz ehrlich: mit Kind ist alles anstrengend.
Sauschön und sauanstrengend.
Um es nicht für andere anstrengend zu machen, lege ich mich mächtig ins Zeug. Es wird Beschäftigungsmaterial eingepackt, außerdem verschiedenste Snacks und Getränke. Dazu ein geduldiges Dauerlächeln aufgesetzt um die Stimmung nur ja nicht kippen zu lassen und dann mit kreischendem 4jährigen heulend nach Hause zu fahren, weil der eigene Akku einfach völlig leergesaugt ist und sich der Kopf nur nach 15min Nichts sehnt.
Wie der kommende Tag nach so einem Ausflug aussieht, können sich wohl die meisten denken. Schön auf jeden Fall nicht.
Das ist von außen vielleicht alles nicht so ersichtlich und so stand ich als ganz schön langweilige Spielverderberin da, als ich den See-Ausflug boykottierte. (Die 30minütige „Du willst doch auch zum See, oder? Schön baden mit uns und so? Komm, sag mal Mama, dass du auch an See willst!“-Arie dem Kind gegenüber hat meine Laune nicht gerade verbessert. Danke dafür.)

Eine der Kommilitoninnen hat uns nun morgen zu ihrem Geburtstag eingeladen und es ist ihr ganz, ganz wichtig, dass wir auch kommen.
Sie fahren gegen Abend zur Ostsee, feiern dann am Strand rein, übernachten in einem WG-Zimmer und wollen den nächsten Tag dann noch nach Rügen und abends wieder zurück.
Wäre wirklich, wirklich schön, wenn wir auch dabei sein würden.
Echt jetzt.
Soooo anstrengend wird das schon nicht.

Ha.
Ja.
Klingt fantastisch.
Aber ihr wisst doch: ich bin ne elende Langweilerin und gönne weder mir noch meinem Kind irgendwelchen Spaß.

(Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich nach den Prüfungen nicht noch mit saufen gekommen, sondern so schnell wie möglich zum Bahnhof geradelt bin. Weil ich *gääääääähn* mal wieder (!) pünktlich in der Kita sein wollte. Echt ey. Saftsäckin, ich elende.)

lasset die spiele beginnen

nun isses soweit: wenn der igel und ich uns zoffen, heißts mit zitternder unterlippe: „ich will zu paaaaaapiiiiiiiiiiiiiii!!!!!“
umgedreht genauso.

dann kanns ja nicht mehr lange dauern, bis „aaaaaber bei papi darf ich das immer!“ kommt. 😉

(und ja, son bisschen wurmt mich das ja schon, bisher war einfach immer ich unangefochtene nummer eins…)

d’oh!

meine unerhörte blogstatistik hat mich auf die suche gehen lassen – was war da gestern los?
die liebe cloudette ist nido-blog-der-woche!
herzlichen glückwunsch! ❤

mich hat sie tatsächlich auch erwähnt: "Gerne lese ich bei der Krähenmutter, die ab und zu mit ihrer inneren Monstermama kämpft und sehr sympathische Alltagsgeschichten schreibt."
danke dafür!

prompt heute habe ich wieder nen monster-mama-artikel veröffentlicht.
biberkacke!
damit lassen sich ja nun wirklich keine neuen leserinnen beeindrucken..

und sicher fragen sich jetzt so einige: "und die will noch kinder? kommt ja mit einem schon nicht klar…"

ja. will ich. unbedingt.
weil es sonst echt wunderwunderschön ist und ich die beste zeit meines lebens mit dem igel habe.

roter vorhang

heut morgen mal wieder:
losgehen.
mit anziehen und so.
UNSER thema.

ich wollte los. jetzt.
der igel nicht. „hierpleibn.“
was dann folgte war pädagogisch keine glanzleistung.

durchgeschwitzt und erschöpft saßen wir im auto.
die geistig-drei-jahre-alte mutter macht dann auch KEINE kinder-musik an, weil sie nen bock hatte.
grandios.

nachdem dann irgendwann das tatsächlich komplett angekleidete kind in der kita war, gabs ne kurze runde heulen im auto.

schon länger surfe ich nach hilfe-adressen, rufe dann doch nie an.
warum nicht?
weil ich angst habe, mein versagen zuzugeben? meine ausflipper und mit-gewalt-anzieher?
ja.
so geht mensch nicht mit einem kind um.
nienieniemals.
ich bin die erwachsene und überlegenere in unserer festgefahrenen anzieh-situation.
aber ich weiß echt nicht weiter.
ich habe es mit langer/kurzer/ohne ankündigung versucht. viel zeit mit spielen, wenig zeit mit durchziehen. mit locken, spaß und auf der vernünftigen ebene. mit halbnackt losfahren, barfuß in die kita laufen (gestern, es war saukalt.) und dann erst anziehen. ich frage, was ihn stört, wir wie es für ihn besser machen können. ich atme durch, versuche die mutter zu sein, als die ich in erinnerung bleiben möchte. versuche mir mantramäßig zu sagen, dass es im bezug auf den rest des lebens total lächerlich ist, mir wegen der morgendlichen unpünktlichkeit so nen stress zu machen.
ich entschuldige mich, aber manchmal meine ich es nicht wirklich so. weil ich echt sauer bin.
abends schon grübele, wie wir den nächsten morgen möglichst reibungslos über die bühne bekommen können, was ich am ablauf optimieren könnte, was ich neues ausprobieren könnte.
es macht mich irre.
schon jetzt stellen sich mir wieder die nackenhaare auf.
hail brückentage, erst montag hab ich wieder einen frühmorgens-anzieh-tag.

ich bin im losgeh-stress kein netter mensch.
früher hat mich morgens niemand angesprochen.
das hat sich gebessert, aber „schnell los müssen“ macht mich hektisch, ungerecht und aggressiv.
wenn sich dann ein 14,5kg-bremsklotz in meinen dampflok-artigen weg stellt, fehlt mir die bremse.
ist das meine aufgabe im leben?
lernen, mit selbstgemachtem stress umzugehen?
ein-und auszuatmen?
erkennen, was wirklich zählt im leben?
dann bitte liebes leben, warum hast du mich mit sturheit und jähzorn ausgestattet?

freunde sagen: „damit kriegt er dich und das weiß er. er testet.“
SO kann er mich nicht wirklich wollen.
zugegebenermaßen kann er nicht viele grenzen testen, da mich nicht viel auf die palme bringt. oder ich vielleicht auch zu wenig grenzen biete?
aber birgt das leben für 2,5jährige nicht genug grenzen?

jetzt bin ich aufs deutsch-dänische institut gestoßen.
das hört sich doch gut an.
morgen ruf ich an.
diesmal wirklich.

was habt ihr für krisen-trächtige situationen und wie kommt ihr da heil raus?

mein lieblingsthema (das letzte mal. wirklich.zumindest für heute.)

es gibt ihn nicht.
keinen einzigen aufstrich im laden, der NICHT soja, apfel, karotte oder sonstwas für schlimme sachen enthält.
verrückt.
eagl, wie oft ich vor den regalen rumscharwenzel, die gläser drehe und wende..

zum glück ist der igel nach wie vor the biggest avocado-fan alive und verputzt jeden morgen erstmal eine als nacktschnecke vom tisch schlabbernd zum naschen und dann noch drei reiswaffeln mit grüner pampe drauf auf dem weg zur kita.
inzwischen bin sogar ich auf den geschmack gekommen und find die etwas gewürzt richtig lecker.

ich weiß, aufstrich lässt sich auch selber machen.
wir verbrauchen aber nur mikromengen und das ist so gut wie unmöglich zu produzieren.
sowieso find ichs verdammt schwer, für 1,5 personen zu kochen.
wobei die eine person einen appetit schwankend zwischen 0 bis 3 holzfällern haben kann.
generelle regel: es muss IMMER was auf dem teller bleiben.
sobald ich nämlich tatsächlich im begriff bin den letzten rest aufzuessen (nachdem ich vorher mindestens 10 mal gefragt habe: „kind, bist du satt? möchtest du noch was essen?“), kommt er angeflitzt, schaufelt es sich wie ein irrer rein und will noch mehr.
das führt dazu, dass jeden abend ein halb volles tellerchen essen stehen bleibt, da ich es nicht wage, dieses anzurühren.
meine größte angst: dass das kind verhungert.
könnte schnell passieren, wir haben ja hier in deutschland kaum genug…alles geld wird ja für andere länder gespendet.

was esst ihr morgens zum frühstück?
frühstücken eure kinder immer, bevor ihr das haus verlasst?

schön, schöner, am allerschönsten – zeit zu zweit.

we made it!
ab morgen ist herr schinken wieder im einsatz.
irgendwie schade, denn ich fands echt schön und ich glaub, der igel auch.

so genau kann ich gar nicht in worte fassen, was so anders war.
ich habe weniger gearbeitet, beziehungsweise konsequenter durchgezogen.
der igel war an manchen tagen trotzdem bis 17.00uhr in der kita, weil ich es einfach nicht vorher geschafft habe, feierabend zu machen.
aber irgendwie waren wir enger und näher und ich habe es sehr genossen, ihn jeden tag recht viel sehen zu können ohne den gedanken im hinterkopf, dass er ja morgen wieder beim papa übernachtet.
es war entspannter, weil zeitloser..und ich habe mich voll darauf eingelassen, dass ich außer kind und arbeit (und diversen festen) so rein gar nichts anderes schaffen werde.
was wir an unternehmungen und ausflügen dann doch gemacht haben, war auch einfach gut.
„schön war, mama.“, klang es abends auf der heimfahrt ein paar mal von der rückbank.

schade, dass die zeit rum ist und wir uns jetzt wieder nur so (gefühlt) bruchstückchenhaft sehen.
die letzten zwei wochen als dream-team kann uns keiner nehmen und sie leuchten in meinem herzen noch für lange zeit heller, als es jeder segelurlaub je könnte.

„einmal breifrei, bitte!“

ich hab es getan und den kösel-verlag bezüglich eines rezensionsexemplares angeschrieben und tatsächlich hatte ich daraufhin einige tage später ein eben solches im briefkasten.

quelle: amazon.de

innerhalb eines langen abends durchgeschmökert, übertraf das buch meine von amazon-bewertungen eingetrübten erwartungen – es ist mitnichten ein einfacher erfahrungsbericht einer prominenten mutter.
und nein, es hat keine vorschusslorbeeren erhalten, weil ich es geschenkt bekommen habe.
ich finde es inhaltlich wirklich einfach gut.

geschrieben wurde es von loretta stern (ja, wirklich DIE lori von bravo-tv, huhuuu! grüß die kellys lieb von mir!) und der hebamme eva nagy.
der inhalt: beikosteinführung ohne brei. (englisch: baby-led-weaning, blw)
klar, oder?

der aufbau:
„einmal breifrei, bitte!“ gliedert sich in drei große abschnitte.

im ersten werden die theorethischen grundlagen erläutert, also ab wann, wie und womit bei der selbst-gesteuerten beikosteinführung starten.
woher kommt der trend des baby-led-weaning, worin liegen die vorteile für eltern und kind, was gilt es zu beachten?
allergien und deren prophylaxe werden behandelt, ebenso wie erste-hilfe-maßnahmen, stillen (ja, die autorinnen gehen tatsächlich zuerst vom stillen aus. verrückt. eines der ersten bücher, die nicht automatisch annehmen, dass mit 4-6monaten eh kein kind mehr gestillt wird.), abstillen und die flüssigkeitszufuhr nach dem 6.lebensmonat.

der zweite teil zeigt tagebuchauszüge und fotos von loretta sterns tochter karline und ihrem abenteuer „essen lernen“. ich durfte etwas in erinnerungen schwelgen, wobei im rückblick der igel immer (!) wesentlich schmaddriger aussah.

der dritte teil behandelt dann die praxis, gibt tipps zur ausstattung (ein hoch auf den ollen, komplett abwaschbaren ikea-stuhl!), einen ausblick auf blw außer haus und loretta stern teilt ihre gedanken zum allgemeinen respektvollen umgang mit kindern, nicht nur beim essen.

alles in allem ein durchweg empfehlenswertes, ausgewogenes buch!
es macht lust auf blw, nimmt hoffentlich ganz vielen eltern die scheu(klappen) vor der in deutschland noch recht neuen methode und ich wünsche ihm eine große verbreitung.
in meinen kursen bespreche ich die möglichkeit des blw immer (und zwar ziemlich genau so wie im buch, daher rührt eventuell auch meine begeisterung), leider halten jedoch die meisten mütter streng am 12.00uhr-karottenbrei-schema fest.
dabei ist die baby-gesteuerte beikosteinführung so simpel, witzig und für das kind ein unglaublicher kompetenzgewinn.

damn! i wish i wrote it..