Wirritäten

Ich liege in einem Deckenwust im Bett, um mich herum eine Peripherie aus Salzteiggebäck, Kuscheltieren und Kinderbüchern. Das Kind verarztet, verkauft und singt, immer wieder muss ich eine Hand aus meiner Höhle schieben um zu assistieren.
Ich bin krank.
Und froh, so ein nettes, verständnisvolles Kind zu haben, welches mit seinen 4,5 Jahren bereits viel Zeit ohne mich totschlagen kann. Woher er diese Leichtigkeit und den Frohsinn nimmt, ist mir ein Rätsel.
Morgen geht der Kerl wieder für ein paar Tage zum Papa und mir blutet bereits jetzt das Herz. Seine letzten Stunden mit mir verbringt er in einsamer Stille, alles „laute“ muss er drüben im Wohnzimmer machen, dazu zählt leider viel, was einem Kind so Spaß macht.
Beim Papa ist ständig was los, es findet sich immer jemand, der mit ihm spielt, er kann rausgehen wann er will, hat sein eigenes Zimmer, Papa brüllt nie rum.
Selbstverständlich ist Papa auch der stärkste Mensch der Welt und weiß alles.

Ja, heute ist einer dieser Tage.
Ich bin sicher nicht die schlechteste Mutter der Welt, dazu gibt es zu viele.
Aber irgendwo bei den lustlosen, ständig schimpfenden, langweiligen, nichts vernünftiges zu Essen zu Hause habenden Motzkühen reihe ich mich ein.

Nun hockt das Kind im Wohnzimmer, hört CD und lernt mit seinem neuen Ting-Buch mit der Hexe Huckla Englisch.
Mit Geschenken überhäufen zumindest kann ich.

Wer unser Leben in freundlichen Pastelltönen sehen möchte, kann dies ab sofort auf Instagramm tun.
Wie ich zu finden bin, steht hier unter „Icke“.

fail

weihnachten überstanden – juhu!
das schwesterherz und meine wenigkeit hatten natürlich einen ausgeklügelten menüplan zusammengestellt, damit sowohl das kind als auch ich mitschlemmen durften.
es gab donauwelle, goulasch und obstsalat.
alles natürlich bio, vegan, gf, sf und was-weiß-ich-noch-frei.
war auch echt superlecker und hat ausnahmsweise mal gar nicht „komisch“ geschmeckt.

schade nur, dass der igel den kompletten zweiten feiertag durchgekotzt hat (im rund-um-strahl, es war wirklich alles voll: er, ich, das sofa, der teppich, die wand,..) und erst gegen abend 3 kartoffeln zu sich nehmen konnte.
schön wars, dies im kreise der familie erleben zu dürfen, so dass ich einfach nur mit ihm in einer ecke hocken und trösten konnte, während die anderen alles geputzt und (uns) gewaschen haben.
der geist der weihnacht!
nur der geruch war nicht so ganz festlich.

flach wien brett

…lieg ich hier rum und hab heut keinen bock.
der alltag mit nem gebrochenen zeh (am laufrad!), klumpschuhfuß und krücken ist anstrengend.
(danke, danke, DANKE für eure hilfsangebote! nobelpreise für alle selbstlosen bloggerinnen!)

vor jedem aufstehen gruselts mich.
das kind ist nicht perfekt kondotioniert genug, um den haushalt alleine zu schmeißen.
heut war ich das erste mal wieder einkaufen, ein äußerst langwieriger prozess.
da ich nicht verhungern will, humpel ich brav weiter zu ein paar wochenbettbesuchen…morgen werd ich in der praxis residieren und hab mir meine damen dorthin einbestellt.
lust hab ich keine, schon die wege machen mich fertig und dauern einfach ewig.
ob das zu den verordeneten drei wochen bettruhe zählt, wage ich auch zu bezweifeln.
spätestens zum 28. muss das ganze wieder soweit heile sein, dass ich autofahren kann.
muss, muss, muss!

herr schinken macht gnädigerweise die kita-touren, ich rutsche innerlich auf knien vor ihm.
fix und fertig isser davon.

den igel glotzt ungefähr 100 folgen davon pro tag:


ich kann an seinem gesichtsausdruck jede absterbende gehirnzelle beobachten.
sonst hat er nicht viel zu lachen, ich hab zu nichts lust.
gibt nix dolles zu essen, keine ausflüge (ich trau mich nicht mit ihm raus. wenn er wegrennt, kann ich nur noch brüllen und mit den krücken werfen..), eine mutter, die am liebsten ins schneckenhaus ziehen würde und da zeit für sich benötigt..

hachja, das leid der welt, komprimiert in einer person.
morgen ists sicher wieder besser!

einarmige banditin!

heut morgen waren wir ausnahmsweise echt gut in der zeit.
frohgelockt flitzte ich durch die wohnung, da lauerte mir plötzlich das laufrad heimtückisch hinter einer ecke auf und zack – ich mutierte zum stier. brüllend. rot sehend.
aua.
der zeh gefühlt halb abgerissen, auftreten unmöglich.
nach kurzer zeit war klar – so komme ich nicht die treppen runter, geschweige denn mit dem auto zur kita oder zum arbeiten.
ein entspannter chilläx-vormittag mit rumliegen, bemitleiden und meine tagesarbeit auf andere abwälzen brach an.
das kind versorgte mich liebevoll mit kissen, streicheleinheiten und aus seinem glücklicherweise schon vorher fertig gepacktem kita-proviant auch mit nahrung.
kurze info an herrn schinken, dass der igel heute bei mir abzuholen sei und ich jetzt nichts anderes mehr wüsste, als ihn youtube-videos gucken zu lassen.
fänd er ja gar nicht gut.
ja, ich auch nicht. aber aua und buhäääää.
nach gefühlten zehn stunden katzenvideo-kikaninchen-dauerschleife hüpften wir gemeinsam zum mittagsschlaf ins bett.

zum nachmittag kam herr schinken, da der igel heute eh bei ihm übernachten sollte und sie vorher noch in die kita zum planungstreffen fürs sommerfest am wochenende wollten.
das lohne sich ja gar nicht, da jetzt noch für 1-2 stunden hinzufahren, brummte herr schinken.
ja aber er hätte ja eh hingemusst, das kind abholen.
ja, das wäre ja was anderes gewesen…und man, mit dem vielen video-schauen ist ja echt nicht gut fürs kind.

ich bot ihm mein auto an. gern auch für die nächsten drei tage.
(achtung, ungewöhnliche schnellschaltung für herrn schinkens mikro-hirn:) WAAAAAAAAASSSSSSSSSSS???? morgen könne ich das kind auch nicht von der kita abholen?!?!?!
…ähm. nein.
ich kann nur auf einem bein hüpfen. und selbst das tut weh.
neeeeeeeeeeeeee, da habe er soooo viel vor…
ähm. ok.
dann saß ich ne weile heulend rum..

später dann die sms: also er könne das kind dann auch morgen abholen, wenns denn gar nicht anders ginge.
eine tourette-sms meinerseits folgte.
wie gesagt: ich hüpfe auf einem bein durch die wohnung. und das tut schweinemäßig im anderen fuß weh.

nun mein eigentliches problem: ab morgen nachmittag ist das essen hier alle.
recht grundsätzliches, auch das öl, reiswaffeln, obst und so.
der müll stinkt und die windeln im bad auch.

und ich bin einfach zu stolz diesen arsch mit zwei ohren um hilfe zu bitten.
(zur info: er geht 3 (DREI!!!) stunden die woche arbeiten. den rest seiner zeit verplant er sich so. immer. unausweichlich.)

status

tjaja, nichts von alldem geschafft, dafür andere dinge erledigt und mit dem kind 1,5h durch spielemax gehottet. er sollte sich was aussuchen und war aber am ende so überfordert, dass er ohne irgendwas rausgerannt ist – auch ok.
krass sind die blicke auf der straße, die kommentare hinterm rücken, die reaktionen der leute zu dem armen 2-jährigen aussätzigen.

ich muss mal wieder ein bisschen jammern.
die haut des igels.
ein graus.
hier nochmal die zusammenfassung:

seit ende januar doktorn wir rum.
zuerst wars eine ausgewachsene imeptigo, daraufhin gabs antibiotika oral in der rettungsstelle, es wurde besser, bis nachn paar tagen plötzlich gefüllte bläschen am ganzen körper auftauchten.
diagnose des kinderarztes und der hautärztin: krätze.
wars nicht. vmtl windpocken.
wir haben nichts krasses geschmiert, mit eichenrinde abgewaschen und rose-teebaum balsamiert.
war fast weg, nun ists seit 2 wochen wieder da.
diagnose bei der kinderärztin letzte woche: vmtl trockene haut. atopisches ekzem. fetthaltige salbe hat sie uns geraten, wollte keine antibiotische verschreiben, obwohl es für uns nach beginnender impetigo aussah.
schön geschmiert, wurde schlimmer.
gestern beim hauarzt: bakterien. wir sollen cortison schmieren.
aha. cortison gegen bakterien.
ganz ehrlich: kann mal bitte iiiirgendwer richtig nachgucken, WAS DAS IST?

mich machts echt fertig, jeden abend vorm internet zu hängen, bücher zu wälzen und selber rumzuprobieren und es wird einfach immer schlimmer.
noch beschissener fürs arme kind: er schläft super schlecht, wacht weinend auf, tagsüber juckts, er ist übermüdet, darf nicht baden, bestimmte speisen brennen dran, niemand will ihn anfassen, fremde kinder werden vor ihm weggezogen.

seit heute gibts kolloidales silber, globuli, mikrosilber-creme.
zuhause liegen habe ich produkte im wert von knapp 150euro von denen bisher NICHTS geholfen hat.

zum verzweifeln.
nun werde ich wohl selber nächste woche nen abstrich machen (ihn natürlich privat bezahlen) und hoffen, das das kind bis dahin keine generalisierte super-infektion bekommt.

für tipps, ratschläge, erfahrungen, what-ever bin ich mehr als dankbar!

die realität holt uns ein…

nun isses das erste mal soweit – ich bleibe morgen zu hause, weil ich keine kinderbetreuung habe.
ziemlich unprofessionell fühle ich mich und hatte ein mega-schlechtes gewissen, als ich grade alle termine absagen musste.
nichts dringend akutes, aber trotzdem irgendwie noch recht „bedürftig“…

klar, mit kind kann das mal passieren, das sollte den frauen klar sein.
trotzdem doof.

der igel befindet sich nach drei anstrengenden nächten wieder auf dem wege der (rasanten) besserung, dafür liegt nun herr schinken flach.
heute ließ sich das noch mit oma+tante ausgleichen, morgen kann sonst niemand.
an sich könnte ich den freien tag ja einfach genießen, dumm nur, dass ich jetzt samstag ran muss…

heldenhaft fand ich mich die woche aber auch: trotz wirklich wenig schlaf, einer blockade im isg (ich dachte kurzzeitig, ich müsste den notarzt rufen, weil ich nicht mehr hochkam und danach nur auf einem bein durch die wohnung schlittern konnte) hab ich das alles ganz gut gerödelt, den großteil meiner 3 rückbildungskurse mitgeturnt (ok, im anschluß beim zettel vom boden aufheben brauchte ich hilfe und musste dann auch erstmal kurz ne runde tiiiiief durchatmen und fluchen gehen), unwichtigere termine abgesagt und dafür den igel gepäppelt.

meine abstilllust (welches wort war das noch mit den drei „lll“?) hat sich auch erstmal verflüchtigt.
der igel hat tatsächlich 2 tage nichts (wirklich überhaupt nichts) gegessen, nur gestillt und ich war saufroh über das wissen, dass er trotzdem gut versorgt ist.
was sind da die paar durchwachten nächte der letzten 22 monate demgegenüber?

wieder einmal bewahrheitet sich: schlaf wird generell überbewertet.
meinen frauen sage ich immer: in anderen ländern ist das folter, bei uns heißts wochenbett und mutterschaft: nahrungskarenz, schlafentzug und angeschrien werden. ohne diese dizzel-liebes-hormone nicht durchzustehen.
und immer schön weiter atmen und lächeln, atmen und lächeln…

bett-action!

habe ich beim klönschnack am samstag noch fast bedauert, dass der igel sich noch nie übergeben musste, kam heute mit nettem augenzwinkern des schicksals endlich mal die gelegenheit zum bettwäsche-wechsel im eiltempo.
heute mittag hatte er schonmal beim völlig erschrockenen herrn vater alles wieder von sich gegeben, vorhin dann bei mir.
armer kerl, da musste ich beinah ein wenig mitweinen, weil er mir so leid tat.
das anschließende reinigungsprocedere kann sich wohl jedes magen-darm-erprobtes elternteil denken…

was bleibt: ein bisschen angst vor der nacht und ein dezenter kotzegeruch unterm kopfkissen.