die realität holt uns ein…

nun isses das erste mal soweit – ich bleibe morgen zu hause, weil ich keine kinderbetreuung habe.
ziemlich unprofessionell fühle ich mich und hatte ein mega-schlechtes gewissen, als ich grade alle termine absagen musste.
nichts dringend akutes, aber trotzdem irgendwie noch recht „bedürftig“…

klar, mit kind kann das mal passieren, das sollte den frauen klar sein.
trotzdem doof.

der igel befindet sich nach drei anstrengenden nächten wieder auf dem wege der (rasanten) besserung, dafür liegt nun herr schinken flach.
heute ließ sich das noch mit oma+tante ausgleichen, morgen kann sonst niemand.
an sich könnte ich den freien tag ja einfach genießen, dumm nur, dass ich jetzt samstag ran muss…

heldenhaft fand ich mich die woche aber auch: trotz wirklich wenig schlaf, einer blockade im isg (ich dachte kurzzeitig, ich müsste den notarzt rufen, weil ich nicht mehr hochkam und danach nur auf einem bein durch die wohnung schlittern konnte) hab ich das alles ganz gut gerödelt, den großteil meiner 3 rückbildungskurse mitgeturnt (ok, im anschluß beim zettel vom boden aufheben brauchte ich hilfe und musste dann auch erstmal kurz ne runde tiiiiief durchatmen und fluchen gehen), unwichtigere termine abgesagt und dafür den igel gepäppelt.

meine abstilllust (welches wort war das noch mit den drei „lll“?) hat sich auch erstmal verflüchtigt.
der igel hat tatsächlich 2 tage nichts (wirklich überhaupt nichts) gegessen, nur gestillt und ich war saufroh über das wissen, dass er trotzdem gut versorgt ist.
was sind da die paar durchwachten nächte der letzten 22 monate demgegenüber?

wieder einmal bewahrheitet sich: schlaf wird generell überbewertet.
meinen frauen sage ich immer: in anderen ländern ist das folter, bei uns heißts wochenbett und mutterschaft: nahrungskarenz, schlafentzug und angeschrien werden. ohne diese dizzel-liebes-hormone nicht durchzustehen.
und immer schön weiter atmen und lächeln, atmen und lächeln…

da mach ich mit

ein artikel übers wochenbett…
so zu lesen auch bei glücklich scheitern und unsichtbares, ursprünglich inspiriert von feminist mum.

eigentlich beginnt das wochenbett mit der placentageburt, aber in diesem einen tag klinikaufenthalt (gefühlte ewigkeit) liegt zuviel aggressions- und konfliktpotential, das kann ich unmöglich wiedergeben.

als wir endlich, endlich wieder zu hause waren, war eigtl erstmal alles ganz gut.
nachdem unser chaffeurdienst (ein großelternpaar) genug geglotzt und dumm gelabert hatte, sind sie dann auch irgendwann wieder gefahren.
wir waren heilfroh alleine zu sein, stellten den igel den hunden vor und waren früh im bett.
nach 2 tagen mein erster spaziergang alleine, noch etwas schwummerig auf den beinen, sehr aufgeregt (mann+kind allein zu haus -aaaah), alle paar minuten mein handy gecheckt…einmal bioladen und zurück, schnell noch zur post geeiert.
und keiner hat mir die vollbrachte heldentat angesehen, niemand wußte, welch ein wunder da zu hause in den kissen schlummelt, wie leer sich mein bauch und schmerzhaft wund die brüste anfühlten.
seltsam war das und total unwirklich im sonnenschein auf glatteis durch vertraute häuserblocks zu schlittern, als wäre alles normal.

leider fielen ab tag 3 heerscharen von besuchern ein, jeden tag mindestens eine delegation, manchmal auch zwei.
kuchen haben viele mitgebracht, was vernünftiges zu essen leider nicht.
dazu dreck, lärm, anstrengung, kaffee machen, nett lächeln.
der haushalt hat uns völlig überfordert, zwischen ewig dasitzen und besuch bespaßen fehlte die zeit für einkaufen, kochen, abwaschen, wäsche waschen, saugen usw…dementsprechend sah es aus und das hat mich wirklich gestört.
einzig allein die schwiegermutter hat (ungefragt) mit angepackt, was mir aber auch nicht so recht war, da sie in diesen dingen (wie eigtl auch sonst) sehr, sehr distanzlos war (ist).
sprich: „was ist das hier? (hält kleidungsstück hoch) wo kommt das hin?“
1 woche später: „das liegt ja immer noch hier…“..
ähäm…ja…und du bist schon wieder da.
irgendwie beides doof, ne?

naja, nach 1 woche hatte ich einen lochialstauch (wochenfluss fließt nicht gescheit ab), heisst: ruhe, bauchlage, kühlakkus aufn uterus, tee usw…nebebei 24std dauerstillen, besuch, kind versorgen.
ständig aufs klo rennen, in der hoffnung, dass da bitte, bitte was fließen möge.
oft war ich verzweifelt wegen des zwiespaltes zwischen „ich sollte mich um mich kümmern“ und dem gefühl „ich muss mich jede sekunde ums kind kümmern“.
nach einigen tagen mit 40grad fieber sind wir dann doch in die klinik, aber trotzdem hat mich dieses ereignis in meinem genesungsprozess wieder gaaanz weit nach hinten geworfen.

wir haben vom ersten tag an bis ende der dritten woche per fingerfeeder zugefüttert, nach jedem stillen.
die gesamte prozedur dehnte sich so auf 2 std aus.
ergo: nach dem stillen war vor dem stillen und zufüttern macht verdammt viel arbeit.
wieviel mehr hätte ich schlafen können, hätte meine muttermilch ausgereicht…:/

die folgenden 6 wochen verlebten wir im chaos zwischen eine-minute-powerduschen weil gleich die nächsten kommen, schnell geburtsanzeigen basteln (und allen noch ne halbe seite extra was dazuschreiben – absoluter irrsinn!) und kind bestaunen.

fürs nächste mal:

1. ich höre auf mein bauchgefühl.
immer.
punkt.
wenn ich finde, dass kind ist gelb, reagiere ich JETZT, denn am nächsten tag sehens die anderen auch.
wenn der nabel oll aussieht, tue ich JETZT was und lass mich nicht von anderen beschwichtigen, bis er tatsächlich kackwurst aussieht.
wenn ich gerne nen rezept fürn osteopathen haben möchte, will ich das JETZT und nicht erst nach 4 monaten, wenn dass kind schon wochenlang durchgebrüllt hat.
(sehr schön dazu auch: Reffe! Jetzt!)

2.
ich werde tatsächlich vorkochen (hat mein bauchgefühl auch gesagt, da herr schinken sich über mich lustig gemacht hat, hab ichs gelassen).

3.
werde ich mir zur geburt haushaltshilfe-gutscheine wünschen (gewisse personen ausgeschlossen).

4.
wird der ganze besuch sehr stark selektiert.
wen ich eh nur alle paar wochen sehe, brauch ich dann auch nicht gerade um mich rum und die verwandschaft an sich reicht schon völlig.

5.
ich werde essen, was erreichbar ist und nicht versuchen nach nährwerten und so nem gedöns zu gehen.

6.
höre nicht auf menschen, deren letzte erfahrung in punkto kindererziehung ein viertel jahrhundert zurück liegt, die meinungen mit „ihr seid ja schließlich auch alle groß geworden!“ untermauern und sowieso davon überzeugt sind, dass kind sei jetzt schon hoffnungslos verzogen.
nicken, lächeln und mit halboffenen augen weiterdösen.

7.
ich werde nur soviel trinken wie sonst auch (quasi nix), kein bock mehr auf power-stilltee saufen.

8.
das nächste kind noch mehr tragen, noch schneller auf zeichen reagieren, noch weniger ablegen.

9.
wochenbett als solches zelebrieren und viel, viel zeit im bett liegen, kuscheln, dösen…(ja ok, mir ist bewußt, dass dann noch ein größeres kind auf uns herumspringt)

10.
mehr zeit für mich nehmen, in ruhe duschen, ne tasse tee trinken, schlafen.

fazit:
krieg ist das nicht, aber ne art belagerungszustand mit pest und cholera in town. (aka schwiegermutter und urgroßeltern höhö)
trotz allem denke ich mit viel wehmut an die ersten tage und wochen zurück, es war irgendwie unbeschreiblich.
oft habe ich das gefühl, um wichtige momente gebracht worden zu sein, wir haben uns einfach zuviel aufgehalst, als dass wir unser bezauberndes, zartes 4-kg-mini-baby voll und ganz genießen konnten.

jetzt auch ma samstachs

heute waren wir bei suppe&mucke, hier im kiez.
fand schon das 3. mal statt, bisher waren wir aber irgendwie immer verreist ;(
meine meinung: absolut ungeeignet für kleine kinder. (wirklich kleine)
zu laut, zu voll.
war irgendwie zu erwarten, aber doch frustrierend.
die musik war so gar nicht meins, aber auch das war vorauszusehen.
suppe hab ich keine gegessen, denn mich ne halbe stunde kind vorne dran klebend für ein schüsselchen anzustellen, hätte weder mir noch umstehenden spaß gemacht.

daher gabs zum abendbrot quarkspeise mit obst – lecker!
nachdem ich heut ne stunde gesportelt habe, war das figurtechnisch ein guter tag!

und nun liegt das igelchen friedlich schnaufend neben mir und verarbeitet den aufregenden tag.
in letzter zeit geht er echt super ins bett.
spielt rum, rollt durchs bett, erzählt…irgendwann wird er gnatschig, grabscht nach der brust, dockt an, rollt sich nochn bisschen hin&her und dann schläft er einfach.
traumhaft.
kein vergleich zu den früheren abenden, an denen man ab 19.00 uhr ängstlich auf die heutigen ausmaße des dramas gewartet hat.
gott, was haben wir geheult! schlimm war das, echt…
der arme wurm tat mir so unendlich leid in seiner hysterie, wir waren so hilflos.

eine gute freundin hat die tage ihr erstes kind bekommen.
trotz aller freude, kommt bei mir viel wehmut und trauer hoch.
so vieles ist anders gelaufen, als gedacht.
die letzten wochen vor tag x waren hektisch, unruhig, alles musste auf den letzten drücker fertig werden.
die geburt war ok, aber halt bei weitem nicht dass, was ich geplant hatte.
fast alles, weshalb ich nicht ins krankenhaus wollte, ist eingetreten.
ungenügende betreuung unter der geburt, die wochenstation war ein einziger kampf.

im wochenbett hatten wir zu viel besuch. definitiv.
und zu viele leute, die dumm gequatscht und mich damit genervt haben.
mitm stillen hats anfangs ganz schön gehapert, wir haben 1 woche per fingerfeeder zugefüttert.
entgegen meiner überzeugungen.
krank war ich, hatte mehrere tage 40grad fieber, die ganze zeit angst, dass die milch weg bleibt.
immer trinken, trinken, trinken und nebenbei hoffen, dass der igel gesund bleibt.

die hoffnung „nächstes mal wird alles anders“ hilft mir nicht.
auch dieses mal sollte ja schon alles anders werden.
trotzdem kann ichs kaum erwarten, nochmal schwanger zu werden und gebären zu können.
vielleicht heilt das ja ein wenig?

naja, ich hoffe, ich kann meine missgunst verbergen, wenn ich den ersten besuch antrete.
böse bin ich, ich weiß.

habse neulich wieder ausgepackt zum globuli-machen lassen.
ein nettes wiedersehen 🙂