Zwischen den Kisten

Mal wieder schlaflos, mal wieder Klinik.
Nichts schlimmes, aber doch so, dass wir eine Nacht hier bleiben sollten.

Das Baby liegt auf mir, schläft endlich. Eigentlich müsste ich seit circa drei Stunden auf die Toilette, uneigentlich ist es hier eh zu hell, als das ich schlafen könnte. Egal irgendwie.

Durchs offene Fenster zwitschern die ersten Vögel, das Nachbarskind schnorchelt beim Schlafen ganz ähnlich wie das große Kind Zuhause.

Hinter uns liegt eine unruhige Nacht, mit viel Herumlaufen, Tragen und Abwägen.
Irgendwann habe ich dann doch die 112 gewählt, kurz darauf standen eine sehr nette Notärztin nebst Sanitäter in unserem Umzugs-Kisten-Chaos im Wohnzimmer.
Die Fahrt in die Klinik war deutlich ruckeliger, als ich mir das so immer vorgestellt hatte.

Zwischenzeitlich haben wir eine Stunde im Gärtchen vor der Notaufnahme gesessen um zu schauen, ob die Medikamente anschlagen.
Das Baby schlief in meinen Armen, ich habe dem Gingerman den bisherigen Verlauf geschildert, der musste beim großen Kind Zuhause bleiben.
Direkt nebenan hat eine Frau ihr Kind bekommen, die Kreißsaalfenster waren weit geöffnet.
Ruhig war es, mild und dunkel bei uns auf der Bank.
Im Kreißsaal hell, anstrengend, stellenweise laut.
Ergreifend, einfach zuhören zu dürfen in solch einem intimen Moment, auch, wenn ich mir dabei ein wenig störend vorkam.
Nichtsdestotrotz hätte ich nicht tauschen wollen, war froh, mein großes Baby im Arm wiegen zu können.

Auch froh, hier sein zu können.
Trotz des unbequemen Bettes, dem beengten Zimmer, den Umständen wie sie in einer Klinik halt so sind.
Diese Möglichkeit der blitzschnellen Maximalversorgung haben nur wenige Menschen auf der Welt.

magic spell

Irgendwann mal habe ich auf dem Blog von Nicola Schmidt gelesen, es wäre wichtig einem Kind jeden Tag zu sagen, dass eine es liebt.
Jo, locker, das sag ich doch eh ständig.
Dachte ich.
Stimmt auch, allerdings nur im Herzen.
Das ich diese drei Worte tatsächlich ausspreche passiert viel, viel, VIEL zu selten.
Dabei leuchtet sein Gesicht jedes Mal auf, wenn ich doch mal daran denke, es auch auszusprechen.
Warum vergesse ich das so häufig?

Da quatschen wir den lieben langen Tag, lachen, streiten, versöhnen uns. Mein Partner bekommt zusammenhangslos meine Liebesbekundungen zu hören, das kleine Baby Knutscher und das große Kind?
Eine Umarmung, von oben. Durch die Haare gestreichelt. Das dritte Eis heute. Den letzten Pfannkuchen. Ich trage es schlafend vom Auto ins Haus und freue mich über die langen staksigen Beine unter unserer Bettdecke.

Ich hoffe einfach, er weiß, wie es in mir drin aussieht.
Wie mein Herz kurz stolpert, wenn ich an ihn denke und er nicht da ist. Wie diese Liebe den ganzen Brustkorb durchzieht, bis in den Magen hinein, oft schon zuviel ist.
Wie ich schon Tage vorher aufgeregt bin, dass er bald wieder zu uns kommt.
Das mein Highlight der Woche der Mittwoch Nachmittag ist, wenn ich ihn von seinem Training abhole, häufig zu spät, mit verschwitztem Gesicht, weil ich rennend versucht habe, noch pünktlich zu kommen.
Das ich seine zwei Donuts (einmal rosa, einmal braun) immer mitbringe, auch wenn er mich nicht daran erinnert.
Das ich immer Sonntags schlechte Laune habe, weil er wieder geht.
Das ich auch nach fünf Jahren Wechselmodell immer noch häufig kurz weinen muss, wenn sich die Tür hinter den beiden schließt und ich dann unauffällig vom Fenster aus beobachte, wie sie davon radeln, mein Herz sich in die Länge zieht und mein ganzer Körper hinterher rennen will.

Ob er da nicht ahnt, wie viel er mir bedeutet?
Aber nein, das ist für ihn selbstverständlich. Er ist ja schließlich mein Kind und erwartet nichts anderes als meine grenzenlose, bedingungslose Liebe zu ihm.
Die Resultate dieses Gefühls zu erfahren ist normal, deren Fehlen wäre auffällig.

Heute habe ich ihn wieder in die Papazeit verabschiedet.
Erst als ich dann anschließend Zuhause war, fiel mir auf, dass ich es schon wieder kein einziges Mal wirklich gesagt habe.
Vielleicht hilft ja ein Post-it.

Ansichtssache

Mit 15 war ich überzeugte Feministin, habe Bücher dazu gelesen, schlaue Sprüche drauf gehabt und war generell ziemlich anti, Pubertät halt.

10 Jahre später war ich mir dessen nicht mehr so sicher.
Einschlägige Aufkleber zierten meinen Kühlschrank, Aufnäher meinen Pulli, die Bücher standen immer noch im Regal, jedoch: in meinen Armen lag ein Baby.
Stillen oder nicht stillen stand für mich nie zur Diskussion, ich kümmerte mich um Klamotten- und Windelnachschub, organisierte Arzttermine, machte die üblichen Kurse mit dem Baby. Der Papa des (inzwischen großen) Kindes trat durchaus als solcher in Erscheinung, nach 6 Monaten ging er auch mal 1-2 Stunden mit dem Baby raus und ich hatte Zeit für mich und/oder den Haushalt.

Nach knapp 10 Monaten ging ich arbeiten, das Kind wurde bis zum 2.Geburtstag vom Papa betreut.
Ich arbeitete in einem reinen Frauenberuf, dem deutschlandweit meines Wissens drei Männer nachgehen.
Ich war für langes Stillen, Familienbett, späten Kita-Eintritt, Attachment Parenting und den ganzen Rattenschwanz (und bin es heute noch).
Karriere gibt es in diesem Beruf nicht, dafür schlechte Bezahlung, unbezahlte Überstunden und den Freifahrtsschein in die Altersarmut.
Immerhin: Kinder stellen kein Hindernis dar, sondern gelten eher als Kompetenzgewinn. Zumindest solange frau 24/7 verfügbar und arbeitswillig ist, sowie sich reichlich spontane Kinderbetreuungsmöglichkeiten organisiert hat.

(Über die Rente habe ich mir nie ernsthaft Gedanken gemacht, ich werde ja eh keine mehr bekommen. Der Generationenvertrag läuft aus, selbst wenn seit 2-3 Jahren wieder ein zaghafter Anstieg der Geburtenzahl zu verzeichnen ist.)
Alles in allem also recht altbackene Ansichten.

Aber ich war nach einem Jahr auch alleinerziehend, muss frau da nicht per se Feministin sein? Wenn sie eh alles allein macht, vom Großziehen, Wäsche waschen und dem Regal an die Wand nageln. (Ich bin bis heute eher der Nagel- statt Schrauben-Typ. Aber sind solche Kategorien nicht gerade das Problem, die Aufteilung in typisch männlich/typisch weiblich? Frauen nageln, Männer bohren?)
Gibt es feministische Langzeitstillerinnen, die für Fragen zur Waschmaschinenreperatur den Papa anrufen oder müsste ich mir das selbst ergooglen?

Das umstandslos-Magazin war im Entstehen und ging 2014 online, ich wollte eigentlich auch gern mitschreiben, habe es aber bisher nie getan, bis zur Februar-Ausgabe 2017.
Und auch diesen verfassten Text reichte ich mit ziemlicher Unsicherheit ein und der Frage im Kopf „Wie feministisch bin ich eigentlich?“.
Als angehende Akademikerin (ich habe immerhin einen Studentenausweis, wenn auch momentan hauptsächlich wegen des Semestertickets) gehe ich natürlich wissenschaftlich an das Ganze und suche daher erstmal nach einer Definition.

Feminismus.

Tja.
Gibt’s die?
Also DIE, allgemeingültige?

Selbstverfreilich nicht und da beginnt mein Dilemma oder auch vielleicht meine Antwort.
Ist das eventuell so wie beim Punkrock?
Feminismus ist das, was du draus machst?

Darf ich mich dann Feministin nennen, auch wenn ich derzeit ausschließlich care-Arbeit mache, welche mitnichten 50/50 aufgeteilt ist zwischen uns Sorgeberechtigten?

Woran ich andererseits aber auch gar kein Interesse habe, das ist doch wahnsinnig unfeministisch, oder?
Gern Zuhause und ausschließlich Mutter zu sein, zwar ab und zu mal meckern, aber nicht vehementer als ich es übers Wetter tue.
Geht es um Wahlfreiheit oder müssen Alternativen gelebt werden?
Reicht es, den Gingerman auf sein Mansplaining aufmerksam zu machen (er wollte mir tatsächlich Mansplaining erklären – was haben wir gelacht) während ich das Baby einschlafstille? Ihn ausschließlich daraufhin zu weisen, dass es nicht MEIN Wickeltisch ist und dann trotzdem 90% der Windeln zu wechseln? Weil er es eh nicht richtig genug für mich macht? Betreibe ich maternal Gatekeeping oder hängt er sich da nicht genug rein? (Ein schöner Artikel dazu bei Jochen König.)

Ich weiß es echt nicht.
Manches erscheint mir aber auch einfach zu theoretisch, gedanklich zerkaut und zugegebenermaßen irgendwie abstrus.
Mein Ideal ist nicht 50/50 sondern 100% zusammen. Habe ich mich selbst verloren, wenn ich in meinen (derzeit real nicht existierenden) kinderfreien Stunden irgendwie gar nichts mit mir anzufangen weiß? Oder ist dies einfach nur meinen mangelnden Hobbies geschuldet? Meinem Still-Matschhirn? Charakterfehler?

Darf ich gluckende Helikopter-Mutter sein und nicht einen festgelegten Zeitplan für die Kinderbetreuung haben? (Ginge eh nur am Wochenende, unter der Woche ist der Gingerman 12h außer Haus und damit nur in Randbereichen an der Kinderbetreuung beteiligt.)

Mir fällt durchaus auf, dass in den Facebookgruppen welche Kinderthemen betreffen überwiegend (ausschliesslich ist so ein großes Wort) Mütter aktiv sind. Oder ist das selektive Wahrnehmung? Schreiben im Stoffwindelchat auch Männer? Fragen bei den Tragetuchgruppen auch Männer nach FG und suchen ihr DISO?

Sollte ich dort austreten und mich feministischeren Gruppen widmen oder reicht das Bewusstsein?
Ich möchte keine Betreuungsmöglichkeiten für Kinder ab 6 Wochen und dann so schnell wie möglich wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.
Auch, wenn andere das super fänden.
Ich möchte in meiner Care-Arbeit gesehen und finanziell unterstützt werden, egal, wann ich beschließe, das außerhäusige Betreuung für meine Kinder gut wäre.
Ja, eben diese zu bekommen war meine private Entscheidung. Aber sie werden mehreren von uns Alten mal den Hintern abwischen, es ist doch zumindest offiziell politisch gewollt, dass wieder mehr Kinder geboren werden.

Wieso kann es nicht ein staatliches Budget geben, von dem ich entweder Zuhause bleiben oder die Betreuung meiner Kinder angemessen bezahlen kann?
Ich schweife ab.

Gibt es nur den Karriere-Feminismus oder darf ich auch den Hausfrauen-Feminismus leben? Ohne zu abendlichen Veranstaltungen zu dem Thema zu gehen um anschließend noch bei nem Bier zu socialisen? Auf Abpumpen habe ich keine Lust und wild und gefährlich bin ich eh nur noch morgens vorm ersten Kaffee.

Reicht mein „Every mother is a working mother“-Button am mit 20kg Einkauf gefüllten Rucksack oder ist diese Aussage anti-emanzipatorisch? Wirkt das lächerlich wenn ich besagten Rucksack und das Baby schleppe, mir über jeder Schulter ein Beutel und an der Hand das große Kind hängt, während der Gingerman nur soviel einkauft wie in seinen kleinen Arbeitsrucksack passt und sowieso nur nach Aufforderung?

Gibt es Feminismus in Abstufungen?
Wieviel Prozent bekomme ich, wenn ich beruflich Frauen dazu ermutige für sich selbst zu sorgen, ihren Mann mit „einzubeziehen“ (schon für das Wort gibt es Minuspunkte), aber auch offizielles Mitglied der Stillmafia® bin?
Warum treibt mich das Thema jetzt mit Baby wieder mehr um, als es das mit größerem Kind getan hat? (Wobei dieser Artikel seit 2013 als Entwurf herumgeistert.)
War ich Vollzeit-arbeitende Singlemutter einfach nur zu müde von meinen ganzen Tinder-Dates oder liegt es an der jetzt gelebten Beziehung, dass ich plötzlich wieder über den Feminismus nachdenke?

Lese ich rein zufällig gerade wieder mehr darüber?
Hat die Machtergreifung Hit-ääääh-Trumps damit zu tun? (Ich weiß, ich weiß, beide wurden gewählt.)

Die Bilder von Menschen, mit dem Schild: „I need feminism because..“ lassen mich beschämt zurück.
Weil na klar, auf jeden Fall bin ich Feministin! Ich möchte wirkliche Gleichberechtigung, Chancengleichheit, Leben in Sicherheit undsoweiterundsofort für alle Menschen dieser Welt.

Aber in meiner kleinen Internet-Blase, kann/will/darf ich mich da Feministin nennen?
Müsste ich mit rosa Pussy-Hat rumlaufen? Ist es feministisch die Farbe rosa ganz unmöglich zu finden? (Im Gegensatz zu Glitzer, das ist ne Hammer-Farbe!)
Ist es okay auf Instagram meinen (ungeheuer heißen, sexy, antörnenden) Afterbabybody zu zeigen oder ist dies ein Eingeständnis der Reduktion des weiblichen Seins auf die bloße Optik?
Wie sehr muss ich nicht das klassische Rollenmodell leben, damit meine Kinder keine Arschloch-Sexisten werden? Reicht es, wenn sie bunt lackierte Nägel und lange Haare haben und ist der neue Bibi und Tina-Film gemeinsam im Kino gesehen schon der Anfang vom Ende?

Keine Ahnung.

Nicht mal halbe Sachen

Im Storchengang balanciere ich vom Bad Richtung Bett. Der Boden klebt an etlichen Stellen. Dort, wo er es nicht tut wirken Krümel/Sand/Staub als Puffer zwischen meinen nackten, vermutlich dreckigen Füßen.

Der Schlaf zirkuliert zwar träge in meinem Körper, ganz Besitz ergreifen will er dann jedoch auch nicht. Zu unruhig ist mein Geist. Worte hallen nach. Der Kopf schmerzt gedämpft. Mein Tag klingt aus.

Ein unfertiger Tag, wie Glitzerschleim in die Länge gezogen, mal dicker, mal fast durchsichtig. Dreck haftet an, der Geruch ist eigentlich eklig und doch muss eine immer wieder daran schnüffeln. Die funkelnden Flimmer-Partikel sind noch sichtbar, wenn auch die Oberfläche stumpf und glanzlos wirkt.

Ich habe die halbe Wäsche aufgehangen, den halben Geschirrspüler eingeräumt. Das Baby und ich waren immer mal so halb bekleidet, haben Brot und Obst (abgewaschen! Das Kochen der Rohkostküche.) gegessen, gerade genug um den halben Tag gesättigt zu sein.
Von meiner To-Do-Liste habe ich ungefähr 1/8 erledigt, 1/16 meines Körpers gewaschen (Oder wieviel nimmt das Gesicht ein?), dafür das Baby komplett und zwar mehrmals. Ob das Baby die gesamte oder nur die Hälfte der Klobürste abgelutscht hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Gestrahlt hat es danach auf jeden Fall über das ganze Gesicht.

Immer wieder muss ich mir an solchen Tagen – welche meist Bestandteil von solchen Wochen sind – sagen, dass der Haushalt nicht meine Aufgabe ist, sondern lediglich die Kinderbetreuung.
Und das lief auch recht gut, wir haben viel im Bett gelegen, gestillt, gekuschelt, Quatsch gemacht. Ich habe mir in die Nase beißen, Haare ausreißen und das Gesicht zerkratzen lassen. Getröstet, gekitzelt und Windeln gewechselt.
Trotzdem.
Das schale Gefühl bleibt. Ich wünsche mir, in der Zukunft das „Nichtstun“ genießen zu können, ohne ein permanent schlechtes Gewissen zu haben ob nicht eingehaltener selbst gesetzter Fristen wann ich denn nun jetzt wirklich mal aufstehe und mit Aufräumen beginne.

Inzwischen führt im Kinderzimmer eine Ameisenstraße vom Balkon unters Bett. Wenigstens denen gefällt es hier also.

Vorstoß aus dem Hinterland

Meine Kinder sind weiß.
Unsere gesamte Familie ist weiß, wenn auch nicht komplett deutsch.
Alle Kinder in der Kita sind weiß, unser gesamtes soziales Umfeld ist weiß.
Ich habe tatsächlich keine einzigen Freund*innen mit nicht weißer Hautfarbe.
In unserem Bezirk sind Menschen mit nicht weißer Hautfarbe die absolute Minderheit. Ebenso war es in den Bezirken in denen ich aufgewachsen bin.

Und ich finde das nicht nur schade, sondern auch schlimm.
(Wobei das für mich schon wieder ziemlich rassistisch klingt. Ich kann es momentan jedoch nicht besser ausdrücken.)
Ich möchte, dass meine Kinder Diversität nicht nur aus Büchern kennen lernen, sondern sie Teil ihres Alltags wird. Weil ich das wichtig finde gegen die Mauern im Kopf, die da auch bei mir manchmal noch einzureißen sind. Die mir vermutlich zum großen Teil nicht mal bewusst sind, eben weil mein Alltag so Toastbrotlastig ist. (Maximal Vollkorn und das auch nur ab und zu.)

Wie ist das bei euch?
Ideen? Meinungen?
Umziehen Richtung Innenstadt möchte ich nicht, das wäre jedoch meine einzige Idee zu dem Thema.

(Auf der Suche nach Ideen habe ich das hier gefunden: Embrace race)

Im Mai werde ich…

…Kisten packen.

…Löwenzahnblütensirup machen.

…wirklich endlich den Balkon bepflanzen.

…ausmisten.

…das große Kind das erste Mal fast richtig in die Schule bringen.

…wieder zuckerärmer leben.

…meine nervige Untermieterin los sein.

…über Feminismus bloggen.

…mal wieder in die Uni fahren und dort meine Zukunft planen.

…weiter nach Häusern gucken und träumen.

Nach einer Idee von Carola von Frische Brise.

Im April werde ich…

(Ich weiß, ich weiß, ich bin etwas spät dran, trotzdem möchte ich gern noch mitmachen.)

…weitere Geburtstage feiern.
…wirklich mal den Balkon bepflanzen. (Hoffentlich)
…mit Kind und Kegel für eine Woche nach England fliegen.
…weiter zuckerfrei leben.
…zuckerfreie Kuchen backen.
…am Babyalbum des großen Kindes weiter basteln.
…viel spazieren gehen.
…die Sonne genießen.
…Bärlauch sammeln.
…die letzte Umzugskiste auspacken.
…die ersten zwei Umzugskisten wieder einpacken.
…mehr trinken.
…diverse Geburtstagspäckchen losschicken.
…den Vertrag für die Schule unterschreiben.

Nach einer Idee von Frische Brise

Als ich mich entschloss dich zu lieben

„Ich werde dich lieben,
dich lieben bis zum Tod.
Werd dich lieben
bis ans Ende der Welt.
Die Menschen werden sich lieben,
vergessen und lieben,
doch ich werde dich lieben bis zum Tod.

Ich werde dich lieben, ich werde dich lieben,
werd dich lieben weit über den Tod.
Die Menschen werden sich lieben,
vergessen und lieben.
Doch ich werde dich lieben bis zum Tod.
Meine Seele fliegt zu dir weg,
und sie fliegt dir in dein Herz.“

(Rio Reiser)

Wo beginnen?
Zu Anfang fühlte sich alles normal an.
Schon beim großen Kind schoß kein Mutterblitz in mich, ich verliebte mich langsam und leise in mein Kind, tue es eigentlich immer noch, jeden Tag ein bisschen mehr.
Beim Baby war es anders.

Gute zweieinhalb Wochen nach der Geburt fuhr ich ein nasenflügelndes, hoch fieberndes Kind ins Krankenhaus. Der Vater saß auf der Rückbank, beobachtete. Hoffentlich gut genug.
Die Ärzte in der Klinik waren unruhig, suchten.
Während der ersten Untersuchung war ich nicht dabei, saß drei Zimmer weit weg, habe getrunken, gegessen, versucht gegen den Schwindel anzukämpfen. Das Baby hat geweint, 45min lang. Ziemlich lang. Ich versuchte, nichts zu fühlen. Die schlechten Nachrichten sollten nicht bis zu mir durchdringen. Stattdessen Zeitschriften lesen, die Angst mit Kaffee runterspülen.
Das ich es im Stich gelassen habe, werde ich mir nie verzeihen, auch, wenn ich mich in der Situation unfähig fühlte, anders zu entscheiden.

Zum Glück kam mit dem Baby die Entwarnung in den Raum, 10 Tage Antibiose, das sollte helfen.
Tagsüber war ich professionell, habe mein Baby gestillt, gewickelt, gehalten. Auch gehalten, während diverse Assistenzärzte versuchten Zugänge zu legen. Den Arm gestaut. Pflaster angereicht. Gehalten, während Katheter geschoben wurden. Das Antibiotikum gespritzt wurde, was vermutlich gebrannt und gedrückt hat.
Geweint habe ich erst, wenn es dunkel und ruhig wurde.
Jede Nacht.

Vor der ersten OP eine Woche später habe ich mir vorgenommen, das Kind lieber nicht zu sehr zu lieben. Wer weiß.
Mit meinem keinen Monat alten Baby im Arm stand ich dann doch bitterlich schluchzend an der Schleuse, völlig unfähig Fragen nach Namen, Geburtsdatum und geplanter Operation zu beantworten.
Ich blieb allein und verquollen auf der anderen Seite der großen Metalltür, während der Anästhesist mein Baby weg trug. Gern hätte ich mich trösten lassen.
Es blieb nur Laufen, Laufen, Laufen. Mein wundes Herz verbergen.
Weiter Nachts weinen, wenn es niemand sehen konnte. Der Gingerman war nur tagsüber im großen Krankenhaustrubel zu Besuch. Einmal auch das große Kind. Nachdem es wieder gegangen war, musste ich doch mal in aller Helligkeit weinen.

Eine zweite OP folgte acht Wochen später.

Zuhause hatte ich die Mahnungen im Kopf, ich solle immer achtsam sein. Im Falle des Falles direkt wieder in die Klinik fahren.

Das Baby hat viel geweint, für mich schon recht früh zu viel.
Das große Kind hat damals deutlich mehr gebrüllt, ich habe es gehalten, nackt auf mich gelegt, mit geweint.
Beim Baby fühlte ich mich genervt, hatte keine Muße. Stand mit dem brüllendem Kind vorm dunklen Fenster, habe in die Nacht geschaut und war wütend statt mitfühlend.
Immer wieder kam der Gedanke: „Das war ein Fehler. Ein ganz großer Fehler. Ich kann dich nicht lieben, ich hasse dich.“
Zuneigung spürte ich nur bei Wohlverhalten des Babys, sobald es etwas anstrengender wurde, kam meine Wut.
Meine Hoffnung war, dass die Liebe von Vater und Bruder mein mangelndes Gefühl ausgleichen würde.

Mit den Monaten weinte das Baby weniger, ich wurde entspannter. Trotzdem war ich fest davon überzeugt, es niemals so lieben zu können wie das große Kind. Ich spürte eine Barriere zwischen uns. Trotz des Lächelns, Kuschelns, Stillens konnte das Baby nicht bis zu meinem Herzen durchdringen.
Immer noch bereute ich in schwierigen Situationen die Entscheidung für ein zweites Kind.
Zwei Mal versuchte ich mit jemandem darüber zu sprechen. Nur zaghaft, berichtete nicht von der Wucht meiner Gefühle. Trotzdem erhielt ich strafende Blicke und hatte im Nachhinein ein unsagbar schlechtes Gewissen. Zu Recht.
Ich überlegte hin und her, ob ich eine postpartale Depression haben könnte. Entschied mich jedoch dagegen, da es mir außer an der Liebe zum Baby an Nichts fehlte.

Die Kontrolluntersuchungen im Krankenhaus waren derweil okay. Nicht super, aber auch nicht wirklich schlecht.

Die Monate vergingen rasend schnell, plötzlich war das Baby ein halbes Jahr alt und ich hatte immer noch das Gefühl, es wäre mir fremd, gerade erst zu uns gekommen. Ich hatte das erste halbe Jahr irgendwie verpasst.

Eine meiner liebsten Freundinnen kam mit ihrem Baby zu Besuch.
Ich beobachtete etwas neidisch und auch verständnislos ihre Liebe zu ihrem Kind. Vorbehaltlos, klebrig süß, stark.
Mein Baby versorgte ich, liebkoste es und schaute dabei doch eher von Außen zu, statt mich der Wonne zu ergeben.
Schließlich sprach ich das Thema vorsichtig an.
Das ich das große Kind immer mehr lieben würde, mir während des ersten Klinikaufenthaltes die Liebe zum Baby untersagt hätte.
Das so ganz klar auszusprechen tat gut. Erleichterte meine Last etwas.

Am kommenden Tag fiel sinngemäß folgender Ausspruch: „Ihr hattet ja auch bisher keine schöne Babyzeit. Die habt ihr erst jetzt.“

Den Abend darauf lag ich im Bett, neben dem Gingerman, das Baby auf der anderen Matratze. Eine Armlänge entfernt.

Und dann beschloss ich, das Baby zu lieben.
Nahm seine Hand, öffnete mein Herz, ließ Liebe strömen, verband mich mit dem kleinen Menschen. (Nach dem „Rosa Herzensfaden“ von Brigitte Meissner, falls das jemand kennt.)
Ich hielt es neben dem Gingerman nicht mehr aus, rutschte rüber zum Baby, liebkoste und genoß es.
So abgehoben es klingen mag: plötzlich fühlte ich mich ganz und gar durchströmt von Liebe, hatte Schmetterlinge im Bauch.
Und Hoffnung.
Auf eine „normale“ Mutter-Kind-Bindung. Ohne professionelle Hilfe von Außen, welche ein vorheriges Eingestehen meiner Unfähigkeit zur Bedingung hätte.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, hatte ich obiges Lied von Rio Reiser im Kopf und Liebe im Herzen.
Seitdem knuddeln wir im Bett, ich genieße das Nichts-Tun, beobachte, genieße die brutalen Zärtlichkeiten des kleinen Menschleins.
Meines zweiten Sohnes.
True Story.

„Ich werde dich lieben…“

Es wird Zeit für den Frühling.

Ich lese eher selten Artikel von Susanne Mierau, zu unterschiedlich fühlt sich mein Leben an.
Da ist nichts mit geborgenen Obst-Mandalas, liebevoll dekorierten Jahreszeitentischen und diversen außerhäusigen Aktivitäten.
Stattdessen gibt es Tüten-Kartoffelbrei, welchen das große Kind in einem überdimensionierten Legohaufen sitzend einnimmt, während es vorm Tablet total verblödet.
Soviel Realität will Instagram dann doch gar nicht sehen.

Aber heute morgen habe ich zwei Artikel auf „Geborgen wachsen“ gelesen und die haben mir sehr geholfen.
Ich strauchel nämlich noch ganz schön, so als Zwei-Kind-Mutter. Viel zu häufig für meinen Geschmack stehe ich heulend in der Küche, auf dem Rücken das brüllende Baby, vor mir der Versuch eines Mittagessens, aus dem Kinderzimmer tönt es in unregelmäßigen Abständen: „Ich hab Hunger!!! Mama!!! Huuuung. Ngerrrr!!!“.
Oder das große Kind balanciert auf dem Nachhauseweg über jede halbwegs brauchbare Stange, begutachtet Muster auf dem Boden, schnattert, schlendert. Das Baby vor meiner Brust quengelt, hat Hunger/Durst. Ich weiß, dass wir noch mindestens 30min Weg vor uns haben, beginne möglichst unauffällig das Großkind an der Hand zu ziehen, meide Balanciermöglichkeiten, statt auf Muster am Boden starre ich in der Ferne verschwindenden Straßenbahnen hinterher. Irgendwann werde ich dann auch ungeduldig, ungerecht, maulig. Exponential zum Baby.

Dann (und noch viel häufiger) fühle ich mich unfähig beiden Kindern voll und ganz gerecht zu werden. Zweifle an mir, meinen Kräften, meinen Fähigkeiten.
Und ja: bereue. Nur kurz, aber doch immer wieder. Der Gedanke, es wäre besser überhaupt kein Kind in diese Welt gesetzt zu haben weil ich meinen eigenen Ansprüchen an mich nicht gerecht werde, begleitet mich seit Beginn meiner Mutterschaft. Mit dem zweiten Kind jetzt ist er wieder präsenter.

Nunja.
Zurückschieben ist nicht, also muss ich da wohl einfach eine passende Geisteshaltung finden um der doch immer wieder aufkommenden Verzweiflung Herrin zu werden.
Dann finde ich diese Aussage: „Es dauerte eine Weile, bis ich verstand, dass das nicht notwendig ist, denn Geschwisterkinder können nicht wie Einzelkinder aufwachsen. Ich kann ihnen nicht in der Weise gerecht werden, wie ich nur einem Kind gerecht wurde. Doch daran ist auch nichts Schlimmes, denn dieser Umstand eröffnet noch ganz andere Möglichkeiten und Freiräume zur Entwicklung von Kindern.“ (Susanne Mierau auf Geborgen wachsen)
Eine mittelschwere Erleuchtung!
Ich darf es also auch einfach nicht schaffen, zwei Kindern dieselbe ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, wie das mit nur einem halbwegs möglich war.
Meine Aufgabe ist es, mich frei zu machen, am Unmöglichen nicht zu Verzweiflen, sondern die neuen Gegebenheiten anzunehmen.
Dafür habe ich jetzt sieben Monate gebraucht, während denen mein einziger Hoffnungsschimmer war: „Wenn ich ihnen nicht (ein zugegebenermaßen äußerst diffuses) Alles geben kann, haben sie wenigstens (!) noch die Liebe zueinander.“
Dabei sollte ich es besser wissen, bin ich doch selbst mit einer sehr engen Bindung zu meiner Schwester gesegnet, die uns durch viele Unbillen der Kindheit geholfen hat.

Dankbar bin ich auch für diesenArtikel und die darunter stehenden Kommentare, zeigte er mir doch ganz öffentlich die Tränen, die sonst so selten Erwähnung finden im ganzen Palaver von „Die Liebe verdoppelt sich einfach.“, „Das zweite läuft so nebenher.“, „Du kennst das ja dann schon alles.“ und ähnlichem.
„Es gab Tage, an denen ich vor dem Spiegel im Bad stand mit einem weinenden Baby im Arm. Tränen strömten über mein Gesicht und ich sagte zu mir selbst: „Du musst nur durchhalten. Es wird besser.“ (Susanne Mierau auf Geborgen wachsen)

Meine zweite Mutterschaft anzunehmen fällt mir um einiges schwerer als es beim ersten Mal der Fall war. Nix mit natürlich und automatisch und so.
Aber ganz, ganz vielleicht habe ich das Gefühlskarussel im ersten Jahr mit dem Großen auch einfach schon wieder vergessen.

Mein Tag ohne mich

Zum internationalen Frauentag am heutigen 8.März schreiben viele Bloggerinnen, wie denn der Tag aussehen würde, würden sie die Arbeit niederlegen.
Bei mir wäre das vielleicht so:

5.20 das Baby erwacht, der Gingerman spielt mit ihm, trägt es herum, hofft, dass es bald wieder einschläft, wechselt die Windel, füttert ein Fläschchen.
7.30 der Gingerman fährt zur Arbeit, 30min zu spät, ungeduscht, mit nicht geputzten Zähnen.
Das Baby ist nun ins Tuch geschnallt, Milchpulver muss er unterwegs nochmal neues kaufen, Windeln hat er mit, dafür kein Spielzeug.
7.31 die Leute in der Straßenbahn gucken Vater und Sohn irritiert an. Warum ist er um diese Uhrzeit allein mit Baby unterwegs? Hat er keine Frau?
8.30 Ankunft im Büro, die Blicke schwanken zwischen Dutzi-Dutzi und „Oh. Ähm. Dschi.“. Mit stolzgeschwellter Erstlings-Papa-Brust und nervösem Lächeln bahnt er sich einen Weg zum Schreibtisch.
Die kommenden Stunden entziehen sich meiner Kenntnis, was genau er dort eigentlich macht, weiß ich auch nicht. Heute wird es wohl nur ein Bruchteil des üblichen Pensums sein, immer wieder macht er ein neues Fläschchen, muss nochmal los Milchpulver kaufen, wechselt Windeln, steht mit dem Baby auf dem Arm am Fenster oder trägt es im Park in den Schlaf.
15.20 der Gingerman muss schnell los, das Großkind vom Sport abholen, eigentlich wollte er wenigstens noch diese eine Email beantworten, aber dann käme er zu spät und außerdem ist das Baby eh zu unruhig. Das hätte eigentlich gern noch ein Fläschchen, aber dafür ist nun keine Zeit.
Die Kollegen reagieren eher mit Unverständnis, aber zum Glück ist das ja heute nur eine Ausnahme und sonst bleibt er immer, solange es nötig ist.
15.45 der Gingerman quetscht sich in die volle Bahn, da er mit dem Baby im Tuch Angst hat vor Ellenbogen steigt er etwas vorsichtiger ein, während sich alle anderen an ihm vorbei drängeln.
In der Bahn wiegen Baby und Rucksack schwer, er schwitzt, auch dem Baby ist es zu voll und laut, es protestiert stimmgewaltig, die Blicke der Mitfahrer wirken genervt und ungnädig. Leute drängen herein, drücken gegen das Baby im Tragetuch, schimpfen, das kein Platz sei.
15.56 der Gingerman kommt beim Großkind an, in der Hand noch eine Brötchentüte, als Wegzehrung für den Heimweg. Schnell füttert er noch das Baby bevor die Turnstunde vorbei ist und es zu wuselig wird.
16.10 alles ist besprochen, beide Kinder sind angezogen, sie machen sich zu dritt auf den Heimweg. Der Gingerman trägt das Baby vorn, seinen Rucksack hinten, den Kitarucksack über der Schulter, den Turnbeutel in der linken Hand, rechts hält er das Großkind an der Hand. Dieses ist erschöpft, quält sich den Weg zur Bahn im Schneckentempo. Der Bürgersteig ist schmal, ein nicht enden wollender Strom aus Touristen, abgehetzten Menschen auf dem Weg in den Feierabend und Partypeople wälzt sich über die Brücke. Die kleine Familie ist zu langsam, wirkt als Störfaktor und Bremse, während das Großkind nicht auf die Striche tretend sein Brötchen mümmelt.
16.20 Die Bahn ist gerammelt voll, wieder schieben sich alle am Gingerman mit den Kindern vorbei, das Großkind würde gern sitzen, es ist jedoch kein Platz mehr frei.
16.25 sie rennen um die Anschlussbahn noch zu erwischen. Eine junge Frau bietet dem Kind ihren Platz an. Erschöpft lehnt es dann dort, möchte bis zur Ankunft Schnick-Schnack-Schnuck spielen. Das Baby quengelt, irgendwann schläft es ein. Kollektives Aufatmen. Der ältere Herr schaut immer wieder grimmig herüber, das große Kind spricht in der sonst totenstillen Bahn.
16.50 aussteigen, Fahrstuhl fahren, Kopfschütteln der anderen Menschen im Fahrstuhl, das Kind habe doch gesunde Beine und könne laufen. Unten angekommen wieder rennen zur Straßenbahn, hier gibt es genügend Sitzplätze, das Kind turnt aber lieber an den Stangen herum. Das Baby wacht schlecht gelaunt wieder auf, der Gingerman schwitzt.
17.10 wieder Zuhause haben alle gleichzeitig Hunger, erstmal füttert der Gingerman das Baby, schnallt es sich dann auf den Rücken, macht dem Großkind Joghurt und Apfel. Er räumt grob die Küche auf, beginnt nebenbei zu kochen, Tortellini mit Pesto. Es klingelt an der Tür, immer wieder holen Nachbarn die Pakete der letzten Tage ab. Das Baby kneift schlecht gelaunt in den Hals, zieht an den Haaren, das Wasser kocht über. Keine Ahnung, wo das Paket für die WG nebenan ist, er guckt heute Abend mal.
18.15 der Gingerman bringt dem Kind Tortellini ins Kinderzimmer, wickelt das Baby, probiert nochmal ein Fläschchen. Es schimpft weiter. Aus dem Kinderzimmer dringt der Ruf „Schmeckt niiiicht! Ich hab trotzdem noch Hunger!“. Der Gingerman kocht Reis, setzt sich mit dem Baby an den Tisch, schlingt die heißen Tortellini herunter, während das große Kind immer wieder wütend herein fegt, weil der Reis noch nicht fertig ist.
Als der Gingerman die Hälfte gegessen hat, weint das Baby, er wäscht es, bringt dem Kind Reis, wickelt das Baby und legt sich mit ihm hin.
Die nächsten zwei Stunden versucht er das Baby in den Schlaf zu begleiten, hört sich die Beschwerden des großen Kindes über den Reis an und versucht auf den „Ich bin fertig!!!!“-Ruf aus dem Bad möglichst leise herauszuschleichen.
21.00 das Baby schläft, der Gingerman überredet das Großkind zum Zähneputzen, dieses kann kaum noch die Augen offen halten, möchte aber natürlich trotzdem eine Gute-Nacht-Geschichte.
21.35 Kaum schnarchen beide Kinder synchron in sein Ohr, versucht auch der Gingerman eine bequeme Schlafposition zu finden.
Nach 1,5 Stunden meldet sich das Baby für das erste von vielen Fläschchen für diese Nacht, durch den Husten schläft es heute eh recht unruhig.
Auf dem Esstisch steht noch die halbe Schüssel Tortellini, weitflächig verteilt auf dem Boden liegen die breitgetretenen Essensreste des Babys, im Bett des Kindes trocknet ausgekippter Joghurt ein, die Wäsche in der Waschmaschine stinkt und ein Wasserglas steht unberührt in der Küche.